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Sämtliche Texte unterliegen meinem Copyright, wenn nicht anders vermerkt.

Genre: Shonen Ai
Pairing: BillxTom
Sicht: Tom
Rating: PG12 bis PG14
Kapitel: 14
Copyright/Disclaimer: siehe "About"
Warnung: Shonen Ai, Twincest

Between Heaven and Hell

~Kapitel 1~
Gelangweilt seufzte ich auf. Ich saß hier jetzt schon eine halbe Stunde am Bahnhof und wartete auf meinen Bruder. Der Zug hatte wahrscheinlich Verspätung… Gerade hatten die Sommerferien begonnen. Seit wir beide auf verschiedene Schulen – Internate – gingen, sahen wir uns nur noch selten. In den Ferien fuhren wir meistens nach Hause, manchmal auch am Wochenende. Unsere Eltern hatten uns aufs Internat geschickt, weil wir zusammen immer nur Blödsinn gemacht hatten und unsere schulischen Leistungen ziemlich nachgelassen hatten. Uns in getrennte Klassen zu stecken, hat uns zumindest schulisch auch nicht weitergebracht. Und so hatten sie einfach beschlossen, uns in getrennte Internate zu verfrachten. Wir fanden’s beide einfach zum Kotzen und freuten uns immer schon Wochen vorher tierisch auf die Ferien.

Nach einer kleinen Ewigkeit hörte ich endlich einen Zug einfahren, und kurz darauf sah ich auch schon, wie Bill mir entgegenlief. Er strahlte übers ganze Gesicht. „Hey!“, rief ich ihm zu und drückte ihn fest an mich. Ja, auch ich konnte mal soft sein. Aber nur bei Bill. Er war der einzige Mensch, dem ich wirklich vertraute und mit dem ich über alles reden konnte. Allerdings war er in letzter Zeit etwas komisch geworden… er wirkte manchmal so abwesend, so weit weg… hatte er etwa Probleme? Er hätte mir das doch erzählt… oder? Vertraute er mir etwa nicht mehr? Hatten wir uns entfremdet? Ach, was redete ich mir denn wieder ein?! Schnell schob ich den Gedanken beiseite und sagte: „Okay, dann lass mal gehn… die Schule is gleich da drüben!“ Ich hatte Bill gebeten, einen Zwischenstop in Hamburg zu machen, wo ich zur Schule ging. Dort stieg nämlich heute eine Feier zum Jahresende, die ich auf keinen Fall verpassen wollte. Und mit Bill würde sie doppelt so gut werden.

***

„Dein Gepäck kannst einfach da drüben hinschmeißen!“, grinste ich und deutete auf eine überfüllte Garderobe im Inneren der Schule, in der wir vor ein paar Minuten angekommen waren. „Okay… also, wo steigt die Party jetzt?“, fragte mich Bill. Seine Augen funkelten. Ich konnte seine Vorfreude förmlich riechen. Wenn es um Partys ging, waren wir immer dabei. Möglichst im Doppelpack. „In der Aula… komm mit!“ und damit schnappte ich ihn am Ärmel und zog ihn mit mir.

***

Die Party war in vollem Gange. Laute Musik, haufenweise flimmernde Lichter, luftig angezogene Mädels und ein cooler DJ. Nur Alkohol gab es keinen, war ja schließlich eine schulische Veranstaltung. Egal. Das machte mir und Bill nichts aus, wir hatten auch so unseren Spaß. „Hey, holst du uns mal was zu trinken?“, brüllte ich, um den ohrenbetäubenden Lärm zu übertönen. „Klar“, schrie Bill zurück und wollte sich gerade auf den Weg machen. Aber dann kam SIE. Mit schwingenden Hüften bahnte sie sich einen Weg durch die Menge, geradewegs auf mich zu. Anja. Die kleine Schl**pe aus meiner Parallelklasse, die glaubte, sie könne alles und jeden haben, besonders mich. Aber ich hatte keinerlei Interesse an ihr. Das kapierte sie nur einfach nicht. Oder sie wollte es nicht kapieren. Panisch packte ich Bills Oberarm und hielt ihn davon ab, wegzulaufen. „Scheiße! Sie kommt!!! Tu was!!!“, schrie ich beinahe hysterisch. Die hatte mir jetzt echt gefehlt. Wenn sie erstmal bei dir war, dann kriegtest du sie nicht mehr los. „Wer kommt?“, rief er verständnislos. „Anja!“, rief ich und hoffte, dass er verstand um was es ging. Einen Moment lang schaute er mich noch verwirrt an. Ich schaute mich panisch um und sah, wie sie immer näher kam. Und ehe ich mich versah, spürte ich Bills Lippen auf meinen, spürte, wie er mich gegen die Wand hinter mir drückte. Ich war vollkommen überrumpelt. Aber dann wurde irgendein Schalter in meinem Hirn umgelegt. Ich begann, es zu genießen, begann, den Kuss zu erwidern. Nach einer Weile ließ er von mir ab und wir sahen uns in die Augen. Sein Blick verwirrte mich. So hatte er mich noch nie angesehen. Um meine Verwirrung zu verbergen, lachte ich leise auf. „Klasse Manöver, Kumpel!“, grinste ich und klopfte ihm auf den Rücken. „Ja…“, sagte er bloß und blickte auf den Boden. Was war bloß los mit ihm?

~Kapitel 2~
Zwei Wochen sind bereits vergangen seit dem seltsamen Vorfall auf der Party. Bill hat kein Wort mehr darüber verloren. Ich wollte ihn auch nicht danach fragen, denn dann hätte er gewusst, dass ich es noch nicht vergessen hätte. Dass ich immernoch darüber nachdachte. Ich war mir sicher, dass er es längst vergessen hatte. Warum auch nicht? Es war nur ein Versuch gewesen, Anja davon abzuhalten, mich zu belagern. Nicht mehr und nicht weniger. Und es war uns verdammt gut gelungen, sie abzuwimmeln. Ich hatte sie seither jedenfalls nicht mehr gesehen. Und mich hatte auch keiner dumm angemacht, weil ich mit einem Kerl geknutscht hatte. Mit meinem eigenen Bruder, um genau zu sein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass alle Bill für ein Mädchen gehalten hatten, sie hatten ihn ja nur von hinten gesehen in dem Moment. Wenn sie’s überhaupt mitbekommen hatten. Dass ich einen Bruder habe, wusste auch keiner, ich war also in Sicherheit. Das einzige was mir passieren konnte, war, dass mich meine Klassenkameraden für schwul hielten. Toll. Aber das war es nicht, was mir Sorgen bereitete. Ich machte mir Sorgen um meine Gefühle. Seit diesem Abend war ich innerlich aufgewühlt, unruhig, unsicher. Ich, der Coole, der Starke. Und das schlimmste war: ich konnte nicht mit Bill darüber reden. Was würde er denn auch dazu sagen? Er würde sich ekeln und vermuten, dass ich schwul war. Und auf den eigenen Bruder stand. Und das stimmte ganz einfach nicht. Oder?

***

„Hey!“ Ertappt schreckte ich auf. Wie hatte er mich gefunden? Ich war auf den Dachboden geflüchtet, genau wie als kleines Kind. Ahja, richtig. Er war früher auch dabei gewesen, das hier war unser Geheimversteck. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum es mir so am Herzen lag. „hmm…?“, grummelte ich nur. „Was ist los mit dir?“ Vorsichtig setzte Bill sich neben mich auf den Boden und legte den Arm um mich. Verdammt. Schon wieder dieses Kribbeln am ganzen Körper. Was sollte der Scheiß? Verzweifelt versuchte ich, das Gefühl niederzukämpfen. Stattdessen kommen mir die Tränen. Na klasse, jetzt flenn ich auch noch rum wie ein Kleinkind. Ich merkte, wie Bill mir behutsam über den Rücken strich. Ich vergrub meinen Kopf an seiner Schulter und ließ meinen Tränen freien Lauf. Ich fühlte die vertraute Geborgenheit, wenn ich bei ihm war. Aber da war noch etwas anderes. Ich sah auf, direkt in seine Augen. Sie waren so unergründlich tief, ich konnte nicht erkennen, was er fühlte oder dachte. Er legte die Hand an meine Wange und streichelte sanft darüber. Dann beugte er sich vor und küsste meine Stirn. Was sollte das denn schon wieder? „Bill… was tust du da? Du verwirrst mich…“, gab ich zu bekennen. „Ich… es tut mir leid…“ er stotterte plötzlich, wirkte betreten. Dann sprang er ruckartig auf und flüchtete. Ließ mich einfach sitzen. Mitsamt meinen verwirrten Gedanken und Gefühlen.

***

Vorsichtig drückte ich die Tür auf. Es hatte mir keine Ruhe gelassen. Immer wieder schwirrte mir diese eine Frage im Kopf herum. Was war los mit ihm? Irgendetwas stimmte ganz gewaltig nicht zwischen uns beiden. Und ich würde jetzt rausfinden, was es war. Koste es, was es wolle. Ich reckte das Kinn. So gefiel ich mir schon besser. Hier war er wieder. Der starke Tom, der immer den Durchblick hatte. Ich hasste es, die Kontrolle zu verlieren. Ich hasste es, nicht zu wissen, was ich fühlte. Und am meisten hasste ich es, wenn irgendetwas zwischen mir und Bill nicht passte. Wir hatten nicht die Zeit zusammen, um sie mit grüblerischen Gedanken und Missverständnissen zu verbringen.

~Kapitel 3~
„Bill…?“ flüsterte ich leise. Vorsichtig tastete ich mich durch den Raum, bis ich an seinem Bett ankam. „Bill?“ diesmal flüsterte ich energischer. Er rührte sich nicht. Schlief einfach friedlich weiter. Ich rüttelte ihn sacht. „Hey…“ „Hmm…?“ murmelte er und rieb sich verpennt die Augen. „Ich muss mit dir reden“ Überrascht blickte er mich an, schaltete aber sofort das Licht an und setzte sich auf. Er rutschte ein Stück zur Seite, hob die Decke, und bedeutete mir, mit reinzuschlüpfen. Wir hatten das früher immer gemacht, es war nie etwas dabei gewesen. Warum auch? Wir waren schließlich Brüder. Diesmal hatte ich jedoch Bedenken. Was, wenn ich in meiner Verwirrtheit irgendwas tun würde, das ich später bereuen würde oder das etwas zwischen uns veränderte? Ich hatte regelrecht Angst vor mir selbst. Schließlich entschied ich mich aber doch für die kuschelige Decke, besser als draußen im Kalten zu sitzen. Ich hatte schließlich nur Shorts und ein T-Shirt an. „Also, was gibt’s?“, fragte Bill mit wachem Blick. „Ich… ich weiß nicht, wie ich’s erklären soll... darf ich dir einfach eine Frage stellen?“ „Okay…“ Er wirkte ziemlich verwirrt. „Bill… Was ist los mit dir in letzter Zeit? Warum verhältst du dich so komisch?“ Er schaute mich schon fast belustigt an. Dann sagte er mit weicher Stimme „Sag bloß, du hast das nicht verstanden? Du hast es doch gemerkt, oder? Du weißt es doch…“ Moment. Bedeutete das etwa…? Ich hatte den Gedanken noch nicht zuende geführt, als ich schon seine Lippen spürte, dann seine Zunge. Ich roch seinen Duft, er umhüllte mich, und sog jeden Zweifel, den ich noch hatte, in sich auf.

***

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, wusste ich zuerst nicht, wo ich war. Doch dann kam die Erinnerung zurück. Die Erinnerung an letzte Nacht. Die Erinnerung an Bill. Er war wunderschön gewesen, obwohl es eigentlich verboten war. Das wussten wir beide. Und doch taten wir es. Wir schliefen miteinander. Inzest. Dieses Wort hallte immer wieder in meinem Kopf wider. Und doch schob ich es beiseite. Es war unwichtig. Die Liebe kannte keine Gesetze, keine Grenzen. Ich sah zu Bill, sah zu, wie sich seine Brust langsam hob und senkte. Er war wunderschön. Ich musste lächeln. Seit wann war ich denn so sentimental? Ich streckte mich noch einmal und ging duschen.

***

Als ich zurückkam, lag Bill nicht mehr im Bett. „Bill?“ schrie ich quer durchs ganze Haus. Ein Glück, dass unsere Eltern im Urlaub sind. Sie waren für drei Wochen nach Mallorca geflogen, und wir sollten eigentlich mitkommen. Aber wir wollten nicht. Und schließlich hatten sie nachgegeben. Hier ist es sowieso viel schöner als auf Mallorca. Seit letzter Nacht war ich endgültig davon überzeugt. Ich ging nach unten, wo Bill schon Frühstück gemacht hatte. „Hey...“, sagte er, als ich zur Tür reinkam. Er stand auf, lief zu mir und hauchte mir einen Kuss auf die Wange „ich dachte schon, du hättest es dir anders überlegt…“ „Nein… sicher nicht“, entgegnete ich uns warf ihm einen verstohlenen Blick zu. Obwohl er gerade erst aus dem Bett gekrabbelt war, sah er einfach super aus. „Was?“, fragte er, als er meinen Blick bemerkte. „Nichts… ich bemerke nur, wie schön du bist…“ sagte ich und senkte verlegen den Blick. Er lächelte. Wenn ich mich nicht täuschte, wurde er sogar ein bisschen rot. „Du weißt schon, dass wir das eigentlich nicht dürfen, oder?“ Dieser Satz traf mich wie ein Messerstich. Klar wusste ich es. Aber ich hatte nicht erwartet, dass ich so früh damit konfrontiert werden würde. Ich seufzte leise. „Ja… das weiß ich… aber jetzt lass es uns erstmal genießen, okay?“ Ich hatte wirklich keine Lust, jetzt schon über sowas nachzudenken. „Okay…“ sanft küsste er meine Lippen, fuhr mit seiner Zunge solange an ihnen entlang, bis ich ihm Einlass gewährte. Er schmeckte genauso süß wie gestern Abend. Zärtlich küsste ich ihn auf die Nasenspitze. Dann setzten wir uns an den Tisch und begannen zu essen.

~Kapitel 4~
Die nächsten Tage verbrachten wir hauptsächlich damit, kuschelnd im Bett zu liegen und zu reden. Wir redeten über Gott und die Welt, lachten, küssten uns, oder lagen einfach nur da und genossen die gegenseitig Nähe. Genau wie an diesem Freitagabend, eine Woche nach Abreise unserer Eltern. „Tom…?“, sagte Bill plötzlich und sah mich fragend an. „Hm?“, machte ich und schmiegte mich noch näher an seinen halbnackten Körper. Es fühlte sich so gut an, so richtig. „Was sollen wir ihnen eigentlich allen sagen?“, fragst du mich mit gerunzelter Stirn. „Ich weiß es nicht…“ „Hast du denn noch nicht darüber nachgedacht?“ Und ob ich das hatte. Immer, wenn Bill gerade nicht bei mir war, hatte ich mich das gefragt. Ich hatte keine Antwort gefunden. „Ich liebe dich“, sagte ich und lege meine Lippen vorsichtig auf seine. Wie schon so oft. Es fühlte sich gut an. Verboten gut. Ich war schon regelrecht süchtig danach. Süchtig nach ihm. Er erwiderte meinen Kuss. Die Antwort wurde mir dadurch erstmal erspart. Aber ich wusste, dass es irgendwann eine Antwort geben musste auf all diese Fragen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die bittere Wahrheit über uns hereinbrechen würde.
***

Ich schaute auf die Uhr. Schon 10 Uhr morgens. Bill schlief noch tief und fest. Er sah aus wie ein Engel. So unschuldig, so rein. So perfekt. Ich konnte kaum glauben, dass all seine Liebe nur mir gehörte. Dass er meine Gefühle erwiderte. Obwohl es verboten war. Das wussten wir beide. Und doch taten wir es wieder und wieder. Wir konnten einfach nicht voneinander lassen. Inzwischen wollten wir das auch gar nicht mehr. Es war einfach zu schön, um wahr zu sein. Sanft strich ich ihm eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. Ein verträumtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Er war glücklich. Genau wie ich. Mir wurde bewusst, wie viel er mir bedeutete. Wie sehr ich ihn liebte. Ich wollte ihn nicht verlieren. Niemals. Er murmelte irgendwas im Halbschlaf, bevor er schließlich verschlafen die Augen öffnete. „Morgen, mein Engel“ ich küsste ihn zärtlich auf den Mund. „Hey… was ist denn mit dir los?“ lächelte er. Ich zwinkerte ihm zu „Ach… nichts… ich bin nur verliebt“ ich schaute verlegen zu Boden. Es war immernoch ein komisches Gefühl, meinem eigenen Bruder von meinen Gefühlen gegenüber ihm zu erzählen. Aber Bill legte nur die Hand an mein Kinn, hob meinen Kopf an und lächelte. Wie ich dieses Lächeln liebte… Mir fiel wieder das Tablett ein, das ich auf seinen Nachttisch abgestellt hatte. „Ich dachte, du willst vielleicht Frühstück?!“ sagte ich und hob es ihm unter die Nase. „Och wie lieb von dir!“, rief er überrascht. „Aber… weißt du was?“ seine Stimme klang plötzlich ganz anders, irgendwie rau. So erwachsen. Er warf mir einen seiner glühenden Blicke zu. „Ich hätte jetzt Lust auf eine kleine Vorspeise…“ Vorspeise? Hä? Zum Frühstück? Hatte der noch alle??? Aber ehe ich etwas entgegnen konnte, beugte er sich vor und begann, an meinem Ohrläppchen zu knabbern. Dann wanderte er langsam hinunter zu meinem Hals, dann zu meiner Brust. Aha – jetzt wusste ich auch, was er mit Vorspeise gemeint hatte.

~Kapitel 5~
Mein Körper lag unter seinem begraben, seine Küsse wurden immer gieriger. Unsere Shirts waren wir beide längst los. Immer wieder warf er mir aus seinen dunklen Augen diese glühenden Blicke zu, für einen Moment schienen seine Augen fast schwarz. Er machte mich so an mit seinen Blicken und den Küssen. Er hatte sich schon bis zum Bauch vorgearbeitet und machte sich gerade an meinem Hosenladen zu schaffen, als plötzlich die Tür aufflog und ein spitzer Schrei durchs ganze Haus hallte.

Im Türrahmen stand unsere Mutter. Verdammt. Was machte die schon zuhause??? Bill hatte sich keuchend aufgerichtet, schnell sein T-Shirt übergezogen. Ich war viel zu perplex, um überhaupt irgendwas zu tun. Ich sah noch, wie Bill schnell die Decke über mich warf, denn meinen Oberkörper zierten etliche Knutschflecke. Dann hörte ich nur noch meine Mutter, die wie eine Verrückte rumschrie „WAS HABT IHR NUR GETAN?? WAS HABT IHR EUCH DABEI GEDACHT??? IHR SEID BRÜDER VERDAMMT! DAS GEHT NICHT!! WENN IHR EINFACH NUR SCHWUL WÄRT, KÖNNTE ICH DAS AKZEPTIEREN! ABER WAS IHR DA BETREIBT IST INZEST!!! IST EUCH DAS EIGENTLICH KLAR???“ „Mum, wir…“ Bill ging zu ihr und wollte sie in den Arm nehmen. Seine Stimme klang verdächtig zittrig. „GEH WEG VON MIR!! WISST IHR EIGENTLICH, DASS IHR PERVERS SEID??? Meine eigenen Söhne… ich glaub’s einfach nicht…das kann nicht sein…“ bei den letzten Worten wurde sie immer leiser, schließlich sackte sie weinend in sich zusammen, glitt die Wand hinunter, vor der sie stand. Schließlich saß sie da, den Kopf in die Hände gestützt, und schluchzte leise vor sich hin. Endlich gewann auch ich meine Fassung wieder und zog mir schnell mein Shirt über den Kopf, bevor ich zusammen mit Bill zu unserer Mutter ging und mich neben sie setzte. Bill setzte sich auf die andere Seite. Keiner sagte etwas. Bill wollte gerade anfangen zu reden, als Gordon, unser Stiefvater, hereinplatzte. „Was ist denn hier los? Simone? Alles okay?“ „Nein, gar nichts ist okay!“, schluchzte sie. “Meine Söhne sie… sind… ZUSAMMEN!“ das letzte Wort spie sie förmlich aus. „Ihr seid… was?? Aber…“ „Nichts aber“, hörte ich Bill sagen. „Ich liebe ihn“ bei den letzten Worten sah er mir in die Augen. Seine glänzten verdächtig. Weinte er? Tatsächlich... einen Augenblick später brach er in Tränen aus. Ich hatte ihn das letzte Mal weinen sehen, als unsere Eltern sich getrennt hatten. Er war immer der Starke gewesen, mein Fels in der Brandung. Nicht ich, wie ich immer vorgab. Nun war es auch mit meiner Beherrschung vorbei. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf. Gordon wirkte immernoch vollkommen platt, während Simone ihre Fassung zurückgewonnen zu haben schien. „Jungs…“, fing sie mit sachlicher Stimme an „habt ihr… habt ihr schon…?“ sie brach ab. Wir wussten genau was sie meinte, aber keiner von uns beiden zeigte eine Reaktion, weder ich, noch Bill. Das war Antwort genug für sie. „Gordon… was sollen wir nur tun?“ fragte sie mit einer Spur Verzweiflung in der Stimme. „ich weiß es auch nicht, Schatz... vielleicht wäre es das Beste, sie fürs erste zu trennen…“ „NEIN!“, fuhr ich dazwischen. Es war das erste Mal, dass ich etwas sagte, seit meine Mutter hereingeplatzt war. Aber keiner der beiden schenkte mir Beachtung. „Ja, ich vermute, das ist das Beste. Ihr werdet ab sofort auch in den Ferien im Internat bleiben. Verstanden?!“, sagte Simone energisch. Jedes einzelne Wort traf mich wie ein Messerstich. „Nein… das könnt ihr nicht tun!“ rief ich verzweifelt. „Ich… ich liebe ihn doch, verdammt!“ Plötzlich hörte ich Bill mit einer unglaublich festen und überzeugten Stimme sagen: „Egal, was ihr tut – ihr werdet uns nicht trennen können.“ Obwohl es nur ein paar Worte waren, spürte ich, wie ich wieder Zuversicht schöpfte, mich plötzlich viel stärker fühlte. Ja, Bill hatte Recht. Nichts konnte und jemals trennen. Nichts.

~Kapitel 6~
Leise schlich ich mich zu seinem Bett. Unsere nächtlichen Treffen waren schon Gewohnheit, auch wenn wir immer nur zwei Stunden Zeit hatten. Tagsüber wurden wir konsequent voneinander ferngehalten, oder wir wurden beaufsichtigt. Wenn Gordon und Simone beide wegmussten, schleiften sie immer einen von uns mit, wenn wir zuhause waren, blieben sie immer bei uns im Zimmer. Es nervte. Aber es hatte auch seine Vorteile. Besser Beaufsichtigung als Wegsperren. Denn so konnten wir uns wenigstens sehen, und wenn sie mal kurz nicht hinsahen, konnten wir die Hand des anderen halten oder ihm Zettelchen zustecken, wann und wo wir uns treffen sollten. Der eine ging dann zum Bäcker, der andere wollte plötzlich einen Spaziergang machen oder schlich sich einfach aus der Hintertür. Der Plan war viel zu simpel, als dass unsere Mum es nicht geschnallt hätte, aber was wollte sie machen? Wir hatten es ihr ja gesagt. Sie konnte uns nicht trennen. Von den nächtlichen Treffen wusste sie allerdings nichts. Sie machte zwar alle zwei Stunden Kontrollgänge - sie war fest davon überzeugt, dass wir es nicht mitbekamen, und schon gar nicht wussten, in welchen Zeitabständen sie „kontrollierte“ - ,aber sie hatte ja keine Ahnung, was man innerhalb von zwei Stunden alles tun konnte. Und das leise genug, dass es keiner mitbekam. Ich grinste in mich hinein. Erwachsene. So leicht zu hintergehen…

Bill war schon wach, wartete auf mich. Ich ging zu ihm hin, wir küssten uns. Nach kurzer Zeit hatten wir uns ausgezogen und schliefen miteinander. Wie fast jede Nacht. Heute sogar zwei Mal. Es war wie immer unglaublich, immernoch dasselbe berauschende Gefühl wie am Anfang. Mit dem Unterschied, dass wir jetzt immer Angst haben mussten, trotz allem erwischt zu werden. Die Zimmerschlüssel hatten sie uns natürlich auch abgenommen. Super. „Ich liebe dich“, flüsterte er mir zärtlich ins Ohr. „Ich liebe dich auch, mehr als alles andere“ entgegnete ich und küsste ihn leidenschaftlich. Nach einer Weile waren wir vollkommen versunken in dem Kuss. „F*ck, gleich kommt Mum wieder…“, sagte er auf einmal gehetzt. Verdammte Sch**ße. Gerade jetzt, als es so schön war, mussten wir aufhören. Genervt seufzte ich, zog mich wieder an und küsste ihn noch ein letztes Mal. Dann stand ich auf und verlies das Zimmer.

***

„Tom, reichst du mir mal die Butter?“, fragte Gordon mich höflich, als wir am nächsten Tag am Frühstückstisch saßen. „Klar“ ich griff nach der Butter und hielt sie ihm hin. „Danke“ Mann, wie ich das hasste. Diese gespielte Höflichkeit. Früher war er immer so warm zu uns gewesen, zwar kein zweiter Vater, aber er hatte sich verhalten wie ein Freund. Aber seit der Geschichte mit mir und Bill verhielt er sich nur noch distanziert, kühl. Das schlimmste daran war aber, dass er sich trotzdem so scheinheilig und höflich gab. Ich musste jedes Mal fast kotzen. Sag doch einfach, dass wir dich anekeln. Idiot. Nicht so meine Mutter. Sie war konsequenter als zuvor, aber dafür war sie immernoch lieb zu uns, wir konnten immernoch mit ihr reden, ihr vertrauen. So lange es eben nicht um uns beide ging. Ich spüre, wie mich jemand unter dem Tisch anstupste. Bill. Er steckte mir unauffällig einen Zettel zu.

Als ich wieder in meinem Zimmer war, holte ich den Zettel aus meiner Hosentasche und schaute ihn an. In sauberer Handschrift – Bills Handschrift – stand da: 24 Uhr

Ich wusste, was das bedeutete. Solche Zettel tauschten wir täglich aus. Es waren Einladungen. Wenn kein Ort dabeistand, dann sollte man einfach zu dieser Zeit zum anderen ins Zimmer kommen, wenn man woanders erwartet wurde, stand dieser Ort dabei. Um Mitternacht in Bills Zimmer also. Ich konnte es kaum erwarten…

~Kapitel 7~
„Wo willst du denn hin?!“ Ertappt schreckte ich auf. Es war kurz vor Mitternacht. Wie vereinbart war ich auf dem Weg zu Bills Zimmer. Langsam drehte ich mich um. Im Türrahmen zum Schlafzimmer stand meine Mum. Ich war so geschockt, dass ich zuerst keinen Ton sagen konnte. Dann erlangte ich meine Fassung jedoch wieder und sagte so lässig wie möglich „Aufs Klo, was denkst du denn?“ Schnell stopfte ich beide Hände in die Hosentaschen meiner Shorts, damit sie nicht sah, wie sehr ich zitterte. „Ach… schon okay..“ murmelte sie. Auf einmal wirkte sie sehr erschöpft. Beinahe hätte sie mir Leid getan. Aber eigentlich war sie ja selbst schuld. Was musste sie auch alle zwei Stunden aufstehen und durchs halbe Haus rennen? Ich seufzte „Gute Nacht, Mum“ „Gute Nacht mein Schatz“ Schatz? So hatte sie mich schon lange nicht mehr genannt… das letzte Mal war ich soweit ich weiß noch ziemlich klein gewesen. Naja, egal. Was mir allerdings nicht ganz so egal war, war die Tatsache, dass ich jetzt nicht mehr zu Bill gehen konnte, weil sie ganz sicher die halbe Nacht Wache halten würde. So war sie halt, unsere Mum… aber immerhin hatte sie mir meine Ausrede abgekauft. Glaubte ich zumindest. Seufzend machte ich mich auf den Weg zur Toilette. Dann musste ich Bill eben morgen Bescheid sagen…

***

Als ich am nächsten Morgen zum Frühstück kam, fing ich sofort Bills verwirrten Blick auf. Er machte sich offenbar Sorgen. Ich setzte mich neben ihn an den Tisch. Simone schaute sofort beunruhigt vom einen zum anderen. Sie mochte es gar nicht, wenn wir uns so nahe waren. Typisch. Als ob wir nicht auch so erreichen würde, was wir wollten… Als sie und Gordon gerade nicht hinsahen, weil sie in eine Diskussion über irgendwelche Politiker und Rechte vertieft waren, steckte ich Bill schnell den Zettel zu, den ich vorhin noch schnell geschrieben hatte: Sorry, Mum hat mich gestern erwischt… konnte mich aber zum Glück rausreden… komm Nacht um 2 zu mir… freu mich schon . Als er fertig war mit lesen, lächelte er kurz und nickte mir unauffällig zu. Das reichte mir als Antwort. Einerseits war ich froh, dass zwischen uns wieder alles geklärt war, andererseits fragte ich mich, wie lange das alles noch weitergehen sollte. Ich fragte mich, wie lange wir es noch aushielten, bevor es uns innerlich zerriss.

~Kapitel 8~
POV Bill

16 Uhr, an unserem Geheimplatz
– das war die Botschaft, die der Zettel verkündete, den Tom mir zugeschoben hatte. Was war so wichtig, dass es nicht bis heute Abend warten konnte? Oder war es etwas, das er mir nicht sagen konnte, wenn wir zuhause waren? Es ließ mir einfach keine Ruhe… und irgendwie hatte ich ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Ich kannte Tom, und in den letzten Tagen war er irgendwie nicht so gewesen wie sonst. Aber was machte ich mir in diesem Moment Sorgen? Es gab nur einen Weg, es herauszufinden - hingehen. Seufzend ging ich zu meinem Kleiderschrank, zog wahllos ein paar Sachen heraus und zog mich an. Dann schlich ich durch die Hintertür ins Freie.

***

Er erwartete mich schon. Saß mit wippenden Beinen auf dem Felsvorsprung und schien über irgendetwas nachzudenken. Er war so süß, wenn er grübelte. Aber trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Ich ließ mich neben ihn auf den Fels sinken und ließ den Blick in die Ferne schweifen. Der Ausblick von hier oben war einfach der Wahnsinn. „Bill… ich wollte mit dir reden“, drang seine Stimme von weit her in mein Ohr. Sofort war ich wieder da. Verwirrt blickte ich ihn an. „Was ist…? Du… klingst so… besorgt!“ Tom drehte den Kopf und blickte mich an. Ich erschrak. Erst jetzt bemerkte ich, wie müde er wirkte. Seine Gesichtszüge waren benahe ausdruckslos, dunkle Ringe zeichneten sich unter seinen Augen ab und seine Augen hatten jeglichen Glanz verloren. All das hatte ich nicht bemerkt, weder tagsüber, noch nachts, als er zu mir gekommen war. War ich wirklich so egoistisch, dass ich es nicht bemerkte, wenn es meinem eigenen Zwilling, meinem Ein und Alles, schlecht ging? Allein schon der Gedanke versetzte mir einen Stich mitten ins Herz. „Bill… ich kann nicht mehr“ plötzlich klang seine Stimme unglaublich schwach und verletzlich. „Was meinst du damit?“, antwortete ich, obwohl ich glaubte, die Antwort bereits zu kennen. „ich kann das nicht mehr. Es macht mich kaputt. Dieses ständige Hin und Her. Zusammensein, nicht Zusammensein. Gefühle an, Gefühle aus. Ich schaffe das nicht mehr. Und ich kann es auch nicht geheimhalten. Ich würde es gerne können, aber ich kann es nicht. Und das macht mich fertig. Wir dürfen uns nicht mehr sehen. Sonst gehen wir beide daran kaputt. Es tut mir so leid…“ Was? Hatte er das wirklich gesagt? Hatte er wirklich gesagt, dass er sich von mir trennen wollte? Ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen schossen. Konnte er mich wirklich so verletzen? Ich liebte ihn doch. War ihm das nicht wichtig? War ich ihm nicht wichtig? Ich sah ihn an. Ich war nicht in der Lage irgendetwas zu sagen. Dazu war ich viel zu geschockt, viel zu verletzt. Ich weiß nicht wie lange wir da gesessen hatten und uns einfach nur angeblickt hatten. Ich sah nur, wie er irgendwann aufstand. Er sah mich an. Ich rührte mich nicht. „Ich liebe dich“ Und dann drehte er sich um und ging. Ich blieb zurück. Hilflos.

***

Ich hatte es die ganze Zeit über gewusst. Ich hatte gewusst, dass er dem Druck nicht standhalten würde Dass er zu schwach war. Und doch hatte ich es verdrängt, mich festgeklammert. Festgeklammert an dem Gedanken, dass wir es schaffen konnten. Festgeklammert an der Hoffnung. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber jetzt gab es keine Hoffnung mehr. Es war vorbei. Zu spät. Mein Leben hatte keinen Sinn mehr. Und es gab nur noch einen einzigen Ausweg.

***

Ich lag auf den Gleisen. Der Regen prasselte auf meine Haut und meine Kleidung war innerhalb kurzer Zeit völlig durchnässt gewesen. Es interessierte mich nicht. Es war sowieso gleich vorbei. Dann würde ich erlöst sein. Nur dieser Gedanke hielt mich davon ab, aufzuspringen und zu ihm zurückzukehren, ihn um Verzeihung zu bitten und einen Neuanfang zu versuchen. Aber ich wusste auch, dass das nicht möglich war, dass ich den Schmerz nicht ertragen würde. Nach einer Weile hörte ich endlich, wie der Zug auf mich zufuhr. Nur noch ein paar Meter. Ich hörte, wie jemand meinen Namen rief. Aber es war mir egal. Ich war frei.

~Kapitel 9~
POV Tom

„Er ist aufgewacht“ Die Stimme der Krankenschwester riss mich aus meinen Gedanken. Erleichtert atmete ich auf. „Kann ich zu ihm?“ „Ja, aber er darf sich jetzt nicht aufregen“ Ohne zu antworten ging ich an ihr Vorbei und in das Zimmer mit der Aufschrift „INTENSIVSTATION | Zimmer 203“ Dort lag er, angeschlossen an ungefähr tausend Schläuche und Geräte „mein Gott Bill…“ ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals. Entschlossen schluckte ich ihn hinunter und setzte mich auf die Bettkante. Er hatte versucht, sich umzubringen. Hatte sich einfach auf die Bahngleise gelegt und gewartet, bis der Zug kam. Ich hatte mich eine Stunde zuvor von ihm getrennt. War gegangen. Hatte mich in meinem Zimmer verschanzt. Doch es hatte mir keine Ruhe gelassen, ich war nach draußen gegangen, um etwas frische Luft zu schnappen und einen klaren Kopf zu bekommen. Aber dann hatte mich dieses Gefühl übermannt… ich fühlte, dass Bill in Schwierigkeiten steckte. Und dann bin ich nur noch gerannt. Ich wusste nicht, wohin. Ich wusste nur, dass ich schnell sein musste. Ich war gerade an der Brücke, die über die Gleise führte, angekommen, als ich ihn da liegen sah, der Zug war nicht mehr weit entfernt von ihm und rollte unermüdlich weiter. Ich brüllte seinen Namen, aber er hörte mich nicht. Und dann hörte ich die quietschenden Bremsen des Zuges, mir wurde schwarz vor Augen. Aber nur ganz kurz. Ich zwang mich, mich aufzuraffen und rannte, so schnell ich konnte. Zu ihm. Ich kniete neben ihm, schrie, weinte, sagte ihm, dass ich ihn liebte und dass es mir Leid tat. Er gab keine Antwort, bewegte sich nicht. Irgendwann kam dann auch der Krankenwagen. Sie hatten ihn retten können. Es war verdammt knapp gewesen. Aber jetzt war er auf der sicheren Seite, er würde es schaffen. Ich glaube ich war noch nie in meinem Leben so erleichtert. „Hey…“ krächzte Bill leise und auf einmal wurde mir wieder bewusst, wo ich bin. Und wie wichtig er für mich war. Ich brauchte ihn wie die Luft zum Atmen. „Shhh… nicht reden“, sage ich sanft und streichle seine Wange. Tränen steigen mir in die Augen. „Ich hatte so eine Angst um dich…“ Betreten blickt er mich an „Versprich mir, dass du so etwas nie wieder tust“ Er nickte, ich sah ihm an, dass er sich schämte, mir solchen Kummer gemacht zu haben. „Ich liebe dich, Bill. Es tut mir leid, dass ich dich verlassen wollte. Ich hab nachgedacht… und ich finde, wir sollten alles versuchen, um zusammenzubleiben. Du bedeutest mir so unendlich viel…“ Meine Stimme versagte mir den Dienst. Ich nahm seine Hand in meine und streichelte behutsam darüber. Ich spürte, wie mir eine Träne über die Wange rann, dann noch eine. Ich wischte mir über die Augen. „Hey… nicht weinen… es ist doch alles gut“, sagte er leise und zog mich zu sich runter. „Küss mich lieber“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich legte meine Lippen auf seine, jedoch vorsichtig, denn er wirkte unheimlich zerbrechlich. Zaghaft gab er Gegendruck, als hätte er nicht mehr Kraft. Aber es war der schönste Kuss seit langem.

***

„Jungs, ich möchte mit euch reden“, sagte Simone. Erstaunt blickte Bill auf. Seit dem „Unfall“ waren zehn Tage vergangen, und es war das erste Mal, dass mehr als einer zu Bill durfte. Inzwischen war er auch wieder auf einer normalen Station. „Was gibt’s?“ Ich war mindestens genauso verwirrt wie Bill. „Nun ja… ich schätze nicht, dass eure Gefühle füreinander sich geändert haben, oder?“, fragte sie leise. In ihrer Stimme schwang ein Funke Hoffnung mit. Es tat mir richtig leid, ihn zerstören zu müssen „Nein, Mum, wir lieben uns.“ „Seid ihr euch da wirklich sicher? Ich meine… ihr seid noch so jung…“ „Wir sind uns sicher. Mehr als je zuvor.“ Ich warf Bill einen Blick aus den Augenwinkeln zu und sah, wie er lächelte. Simone seufzte resigniert. „Na gut, es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich muss es wohl akzeptieren…“ Was hatte sie da eben gesagt? Hatte ich richtig gehört? Sie wollte uns erlauben, zusammen zu sein? „aber…“, fuhr sie fort, als sie sah, wie Bill und ich um die Wette strahlten „mir wäre es lieber, wenn ihr es geheim halten könntet. Schon allein euretwillen. Auch wenn es rein gesetzlich gar nicht verboten ist“, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu. „Ich… stimmt das? Es ist nicht verboten?“, fragte Bill mit großen Augen „Nein, laut Gesetz ist es dann nicht verboten, wenn es sich um Brüder handelt…“ sagte Simone „die können ja schließlich keine Inzucht betreiben“, bemerkte sie mit leicht angeekeltem Gesichtsausdruck. Wir mussten grinsen. „Ach, und wo wir schon beim Thema sind… ich fände es ganz gut, wenn ihr eure… ähm… sexuellen Handlungen nicht unbedingt bei uns im Haus ausführen würdet“ jetzt musste sogar sie lachen. „nein, jetzt mal im Ernst… das fänden ich und euer Stiefvater wirklich nicht gerade appetitlich… sorry, Jungs“ wie auf Kommando fielen wir ihr beide gleichzeitig um den Hals und drückten sie ganz fest „Mum, du bist die beste! Wir lieben dich!“ „Jaja, schon gut… ich glaub ich lass euch lieber mal allein, hm? Ihr habt schließlich was zu feiern, oder nicht? Aber pass du mir ja auf die Schläuche auf, Bill“, und als sie dich umdrehte, war ich mir sicher, ein Lächeln um ihre Mundwinkel spielen zu sehen.

***

Kaum war die Tür geschlossen, stürzte ich mich auch schon auf Bill und wir begannen uns zu küssen. Zuerst zaghaft, dann leidenschaftlich, und schließlich regelrecht gierig, wie zwei Ertrinkende. „Du bist wieder ziemlich zu Kräften gekommen in den letzten zwei Tagen, he?!“, bemerkte ich frech. „Jaah… ich könnte Bäume ausreißen“, grinste Bill und zog mich abermals in einen Kuss. „Tohooomm????“ „Hmm?“ „Küss mich!“ „Hallo? Was tu ich die ganze Zeit?!“ „Nochmal“, quengelte Bill. Was sollte das denn? Ich küsste ihn doch gerade am laufenden Meter… naja, egal. Ich beugte mich gerade wieder runter und wollte ihn küssen, als er plötzlich den Kopf zur Seite drehte, und frech sagte „du kriegst mich nicht“ „Pah, das werden wir ja sehen!“ Ich fing an, seinen Hals zu küssen, arbeitete mich immer weiter hoch, schließlich war ich an seinem Kinn angekommen. Leise stöhnte er auf. Na also, dachte ich und senkte meine Lippen auf seine. Doch kurz bevor ich angekommen war, drehte er seinen Kopf wieder weg und fing an, zu kichern wie ein kleines Kind. „Du kleine Kröte! Na warte!“ empört schnappte ich seine Hände und drückte sie über seinem Kopf ins Kissen. Dann kletterte ich vorsichtig auf ihn, die Schläuche, an denen er noch hing, sorgfältig im Blickfeld. Ich hockte auf seinem Bauch und hatte seine Hände komplett unter Kontrolle. „So, was sagst du jetzt?“ „Uff… du bist ganz schön fett, Schätzchen“, konterte er frech. „Halt die Klappe“ und damit beugte ich mich runter und küsste ihn einfach. Er war viel zu überrumpelt um sich noch zu wehren, und Sekunden später hatten wir alles um uns herum vergessen.

~Kapitel 10~

„Geht’s?“ Besorgt schaute ich Bill zu, wie er stockend die Treppe hoch hoppelte. „Klar, siehst doch“ er grinste mich an. „Bist du dir da ganz sicher?“ ich runzelte die Stirn, nahm vorsichtshalber seinen Arm und legte ihn um meine Schulter. Nach einer halben Ewigkeit hatten wir es geschafft, ich ging voraus und öffnete die Tür zu Bills Zimmer. Er humpelte mir an Krücken hinterher. Sein Gips am Bein musste noch ein paar Wochen dranbleiben, die Prellungen und blauen Flecke waren aber schon so gut wie verheilt und Bill wusste gar nicht, wohin mit seiner ganzen Energie. Manchmal schien sie förmlich überzusprudeln. Wenn ich ihn dann darauf hinwies, dass er vorsichtig sein sollte, lachte er nur und meinte, wie süß ich doch sei, wenn ich mir Sorgen machte. „Mann, ich bin ja sowas von froh, wieder daheim zu sein!“, strahlte er und warf sich – so gut es in seinem Zustand eben ging – rückwärts auf sein Bett. „Endlich können wir auch wieder ungestört sein, ohne dass ständig so ne blöde Krankenhaustante dahergerannt kommt“ Ich lachte. „Weißt du was ich glaube? Ich glaube, Simone hat das ausgeheckt, das mit dem ständigen Reinplatzen“ „Wo wir schon dabei sind… schließ doch mal ab – ich will mit dir allein sein“ Er grinste verschmitzt. Am liebsten hätte ich ihn aufgefressen. Aber das ging ja leider nicht. Ich stand auf und schloss die Tür ab. Ich drehte mich um und musste schmunzeln. Bill lag auf dem Bett und hatte die Arme ausgebreitet wie ein kleines Kind, das von seiner Mutter auf den Arm genommen werden wollte. „Komm her, mein Schatz“, flötete er und musste gleich darauf losprusten. Er schien so glücklich. Und ich war es auch. Spätestens in dem Moment, als sich unsere Lippen berührten und wir in einem innigen Kuss versanken. „Endlich können wir und wieder richtig nahe sein.. auch wenn das da..“ – er deutete auf seinen Gips – „…im Weg ist“ „Ach, das bekommen wir schon hin, mein Engel“ und damit begann ich, ihn abermals zu küssen. Er seufzte leise an meinem Mund. Wie schon so oft wurde mir von innen heraus warm und mein ganzer Körper kribbelte. Jetzt wusste ich, wofür ich lebte. Ich war angekommen.

***

„Gott, ich bin so fertig“ „Du kannst mich ruhig Tom nennen, Mäuschen“ „Alter Macho“ „Ich liebe dich“ „Ich dich auch“ Bill lag mit geschlossenen Augen da, hatte sich in die Decke eingemummelt und war kurz davor, wegzudösen. Unwillkürlich musste ich lächeln. Den hatte ich wohl ziemlich geschafft. Aber es hatte ihm gefallen, das wusste ich. Seit langem hatten wir uns wieder richtig nahe sein können, und ich hatte jede einzelne Berührung, jeden Kuss noch viel intensiver wahrgenommen wie sonst. Es war unbeschreiblich. Ich glaubte, zu fliegen. Vorsichtig schlüpfte ich zu Bill unter die Decke und schmiegte mich an ihn. Seine Haut war so wundervoll weich und rein, und auch wenn er keine besonders muskulöse Figur hatte, fand ich ihn einfach wunderschön. Perfekt. Ich konnte nicht widerstehen. Ich musste ihn einfach anstarren, ihn mustern. Ich fand ihn wirklich perfekt, vom Haaransatz bis zu den Zehenspitzen. Und wieder einmal konnte ich mein Glück kaum fassen. Dieses wunderbare Geschöpf war mein Bruder. Und mein Freund. Er liebte mich. Genau wie ich ihn. Ich liebte ihn mehr als alles andere auf der Welt. Gott weiß, was ich alles gegeben hätte, nur um für immer mit ihm zusammen sein zu können – ohne mir dabei ständig Sorgen machen zu müssen. Es war zwar gesetzlich tatsächlich nicht verboten, aber bis jetzt hatten wir es noch niemandem erzählt – außer unserer Familie. Aber auch bei unseren Freunden würden wir reinen Tisch machen müssen. Und das schon sehr bald.

~Kapitel 11~

„Du hast ja Recht…“ Bill senkte den Blick. „Wir müssen es ihnen sagen“ In einer Woche begann die Schule wieder, und unsere Eltern hatten uns wieder an unserer alten Schule angemeldet – wir hatten zwar Wochen gebraucht, um sie zu überreden, aber schließlich hatten sie nachgegeben. Unter einer Bedingung – wir mussten während der Schule die Finger voneinander lassen. Sonst würden wir sofort alle beide aufs Internat zurückgeschickt werden. Allerdings war die Bedingung gar nicht so schwer zu erfüllen, wie es sich erstmal anhörte. Wir waren nämlich in verschiedene Klassen eingeteilt worden – auf den Wunsch unserer Eltern hin. „Nur zu eurer eigenen Sicherheit“, hatte Simone gemeint. Sie hatte ja Recht. Und in den Pausen würden wir es schon schaffen, uns ganz „normal“ zu verhalten. Wie Brüder es eben normalerweise tun. Aber kaum hatten wir uns deswegen geeinigt, kam auch schon das nächste Problem auf uns zu: unsere Freunde. Natürlich hatten die schon längst den Kontakt wieder intensiver aufgenommen, vor allem in der Zeit, in der Bill im Krankenhaus war. Wir hatten es aber bis zu diesem Zeitpunkt trotzdem geheim gehalten. Wir hatten ganz einfach Angst, dass sie uns für pervers hielten und keinen Kontakt mehr wollten. Jeder würde schließlich erstmal so reagieren, egal ob wahrer Freund oder nicht.

Und jetzt saßen wir hier. Auf Bills Bett. Mal wieder. Es war einfach der beste Platz, um zu reden. Okay, wir hatten hier auch schon ganz andere Sachen angestellt, aber trotzdem… wir redeten sehr viel. Es half, beim Verarbeiten unserer Gefühle, oder wenn einer von uns wegen irgendetwas Kummer hatte. Wir waren füreinander da wie nie zuvor. Und nebenbei waren wir auch noch zusammen. Es war einfach zu schön, um wahr zu sein.

„Bill… ich… ich habe Angst“ Ja, ich hatte Angst. Schreckliche Angst. Angst davor, dass unsere Freunde uns verstießen. Angst davor, dass unsere Liebe scheitern könnte. Dass wir uns eines Tages trennen mussten. Diese Angst hatte ich schon damals gehabt, als ich mich von Bill trennen wollte. Klar, ich liebte ihn, aber manchmal schienen meine ganzen Sorgen über mir zusammenzubrechen und mich unter einem Haufen Sorgen und Kummer zu begraben. Manchmal wusste ich einfach nicht mehr, was ich tun sollte. Wie das alles enden sollte. Aufgeben wollte ich nicht. Konnte ich auch nicht. Dafür war Bill mir zu wichtig. Unsere Liebe war mir wichtiger als alles andere.

„Angst wovor?“, drang seine Stimme in mein Ohr. „Angst davor, dass es nicht gut geht… Dass wir uns irgendwann trennen müssen“ ich spürte wie eine Träne meine Wange hinunterrollte. „Du.. du willst dich wieder von mir trennen???“, rief Bill und sprang abrupt auf. Er fiel aber gleich wieder hin, da er nicht an seinen Gips gedacht hatte und die Krücken vergessen hatte. „Oh mein Gott… Bill! Alles okay?“ Ich beugte mich zu ihm runter, streckte ihm die Hand hin, um ihm aufzuhelfen. „Geh weg“, zischte er. Seine Augen wirkten plötzlich leer und kalt „Bill… ich… ich habe das nicht so gemeint…“ „Ach nein? Wie hast du’s denn gemeint?“, keifte er, während er sich langsam aufrichtete. „Bill, ich liebe dich! Ich will mich nicht von dir trennen, im Gegenteil!“ Ich bemerkte, wie flehentlich meine Stimme klang. Gott, war das erbärmlich. Aber das war mir in dem Moment egal. Ich wollte nur, dass Bill nicht mehr sauer auf mich war. „Ich hab doch nur gemeint, dass ich unheimliche Angst davor habe, es einmal tun zu müssen!“ „Ich… ich weiß... es tut mir leid“ Jetzt war er an der Reihe, in Tränen auszubrechen. Er saß auf dem Bett, den Kopf in die Hände gestützt und wurde geschüttelt von seinen Schluchzern. „Hey… nicht weinen, Engel…“ „Warum muss ich dir immer wehtun? Ich will das doch gar nicht!“ „Ich weiß“ Zärtlich küsste ich seinen Kopf. „Es ist eben nicht einfach mit uns… aber wir können es schaffen… das weiß ich“ „Danke… du bist einfach toll“ „Und du bist ein kleines Wunder“, flüsterte ich und wir küssten uns, lange und zärtlich.

~Kapitel 12~
Ich saß auf meinem Bürostuhl und durchsuchte krampfhaft meine Schreibtischschublade nach meinem Schulmäppchen. Endlich hatte ich es gefunden. Jetzt fehlte mir nur noch ein Block. Als ich auch das gefunden hatte, stopfte ich beides in meine Schultasche und machte mich auf den Weg nach unten zum Abendessen. Heute war der letzte Ferientag. Morgen mussten wir wieder in die Schule. Mann, das motivierte mich vielleicht… auch wenn in den Ferien auch einiges Negatives passiert war, waren es doch die schönsten Ferien meines Lebens gewesen. Sechs Wochen mit Bill. Und jetzt waren die Ferien schon wieder um. Seufzend ging ich die Treppe hinunter und ins Esszimmer. Der Rest der Familie saß schon am Tisch. Als ich mich auch hinsetzte, fragte Mum „Wo warst du denn so lange?“ „Schulsachen packen“, lautete meine knappe Antwort. Meine Laune war heute nicht die beste, zumal morgen ja wieder die Schule anfing. Aber das war nicht der Hauptgrund. Ich und Bill hatten immernoch keine Lösung gefunden, was wir unseren Freunden jetzt sagen sollten. Oder vor allem, wie wir es ihnen sagen sollten. Ich seufzte. Bill runzelte besorgt die Stirn. „Was ist los?“ „Ich muss nachher mit dir reden“ Simone und Gordon tauschten vielsagende Blicke. Es war mir egal. „Okay…“, sagte Bill nur und wandte sich wieder seinem Essen zu. Das tat ich dann schließlich auch. Auch wenn ich eigentlich gar keinen Hunger hatte. Schon gar nicht auf Spinat und Kartoffelbrei, hallo?! Waren wir hier im Altersheim? Aber ich wollte meiner Mum nicht den Tag versauen, also hielt ich den Mund und aß brav auf. „Kommst du…?!“, sagte ich zu Bill gewandt, als wir mit dem Essen fertig waren. „Klar“ er folgte mir, hinauf in mein Zimmer. Hier war es ganz anders als in seinem, meins war immer fein säuberlich aufgeräumt, in seinem herrschte das Chaos. Ich mochte sein Chaos aber. Wir fühlten uns beide ziemlich wohl darin. Was man von meinem Zimmer nicht behaupten konnte. Und doch waren wir jetzt hier. Ich setzte mich aufs Bett und bedeutete ihm, sich neben mich zu setzen. „Wir müssen eine Lösung finden. Und zwar jetzt“, durchbrach ich die Stille. „Hör zu… ich hab viel nachgedacht in letzter Zeit… was hältst du davon, wenn wir es vorerst mal nur Andy einweihen?“ Andy war unser bester Freund. Und wahrscheinlich der einzige, der uns nicht sofort verstoßen würde. „Ja… ich denke, das wär das Beste“ „Dann ist es also abgemacht?“ „Abgemacht“

***

Ich holte nochmal tief Luft. Jetzt war sie gekommen. Die Stunde der Wahrheit. Gleich würden wir uns mit Andy treffen. Die Schule war aus, wir hatten uns an der Bushaltestelle, die nicht weit von unserem Haus entfernt lag, verabredet. Oder vielmehr Bill hatte uns verabredet. Er war schließlich in Andys Klasse, nicht ich. Er hatte das abgeklärt. Er hatte ihm gesagt, dass wir etwas sehr Wichtiges mit ihm zu besprechen hätten. Er hat ja keine Ahnung, was wir ihm zu sagen haben, dachte ich, als ich ihn auf uns zulaufen sah.

~Kapitel 13~

„Hey!“ ich umarmte Andy kurz, Bill tat es mir gleich. „Willst du… sollen wir’s dir hier erzählen, oder willst du mit zu uns kommen?“ „Kein Plan… muss ja was Hochinteressantes sein, dass ihr so ein Geheimnis draus macht“, grinste er. Er hatte ja sowas von keine Ahnung. „Heim oder nicht?“, höre ich Bill unsere Frage wiederholen „Mir schnuppe… macht wie ihr wollt“, entgegnete Andy immernoch grinsend. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass ihm bald das Grinsen vergehen würde. „Okay… dann komm mit“ Bill stand auf und schnappte ihn am Ärmel, zog ihn mit sich. Auch gut. Es war nicht unbedingt gemütlich an der vollgeschmierten Bushaltestelle, und der hölzerne Unterstand war vollgeschmiert mit Sprüchen wie „F*ck you“ oder „Ralph du Schwuchtel“ – danke, aber das brauchten wir in dieser Situation wirklich nicht…

***

„So, jetzt erzählt schon! Was brütet ihr aus?“ Andy ließ sich mitten auf Bills Bett fallen. Bill und ich setzten uns auf jeweils eine Seite. „Wir müssen wir was sagen…“, begann ich „Ja, soweit bin ich auch schon“, entgegnete er ungeduldig. „Bitte, unterbrich uns nicht!“ „Okay… schieß los“ „Naja… ich schätz mal, du findest es nicht besonders gut… wahrscheinlich sogar eklig, abstoßend“ begann ich. Andy blickte mich völlig verwirrt an „Also… ich.. wir…“ ergriff Bill die Initiative „wir hoffen, du kannst es akzeptieren“ Ein ungeduldiger Blick von Andy reichte, um ihn zum Weiterreden zu bewegen „wir… wir empfinden mehr als Geschwisterliebe füreinander“ Andy glotzte inzwischen wie ein Auto, aber Bill setzte noch eins drauf „wir lieben uns“. Ich glaube, Andy hatte es in diesem Moment vollkommen die Sprache verschlagen. Er blickte vom einen zum anderen, als würde er und für nicht ganz dicht halten. „Das… wollt ihr mich verarschen? Jungs, wenn das ein Witz sein soll, dann ist er nicht besonders komisch!“ „Es ist aber kein Witz“, meldete ich mich zu Wort. „Aber… aber das ist verboten“ „Nein… ist es nicht… zumindest nicht gesetzlich… aber darum geht es doch gar nicht… kannst du… ich meine, kommst du damit klar?“ „Ob ich damit klarkomme, dass meine zwei besten Freunde, Zwillinge wohlgemerkt, was miteinander haben?? Oh mein Gott… ich glaub ich muss mich setzen“ „Du sitzt schon“, bemerkte Bill trocken „Stimmt… Jungs, ich weiß nicht was ich sagen soll… das ist wirklich… ähm.. seltsam… um nicht zu sagen abartig“ er warf mir einen Blick aus dem Augenwinkel zu und plötzlich lächelte er. „Ach… eigentlich ist es mir ja egal…“ „WIRKLICH????“, riefen Bill und ich im Chor. „Naja… solange ich nicht zuschauen muss, wie ihr beide es miteinander treibt…“ er schaute uns kurz an, dann brach er in Gelächter aus. Wir stürzten uns auf ihn und drückten ihn „Du bist der coolste beste Freund den man haben kann, weißt du das?“ „Wäähhhh, runter von mir, ihr Schwuchteln“, kreischte er plötzlich. Verwundert schauten wir ihn an „Hey ich hab kein Interesse an nem Dreier“, grinste er. „Boahhhh“ Ich begann, ihn durchzukitzeln. Irgendwann keuchte und jammerte er nur noch, und ich war so gnädig und ließ von ihm ab. „Mann mann mann… ihr seid mir so welche“, schnaufte er. „Seit wann?“ „Seit diesem Sommer“, antwortete ich. Es tat so gut, mit jemandem darüber zu reden, ohne gleich angewidert angesehen zu werden. Er schien uns wirklich zu verstehen. Und er sollte auch der einzige bleiben.

~Kapitel 14~

Seit diesem Geständnis waren 3 Jahre vergangen. Ich und Bill waren kurz nach unserem 18. Geburtstag ausgezogen, in eine eigene Wohnung. Hier konnten wir endlich so richtig ungestört sein, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Es war das Paradies für uns. Und auch wenn wir außer Andy keine Freunde mehr hatten – uns fehlte nichts. Das redeten wir uns zumindest ein. Unsere Freunde hatten uns nach und nach alle verstoßen, mehr oder weniger offensichtlich. Außer Andy. Er hatte uns verstanden. Und vor ungefähr zwei Jahren hatten wir auch herausgefunden, warum. Andy war schwul. Er liebte zwar nicht seinen eigenen Bruder, aber er liebte auch Männer und kannte das Gefühl zu gut, nicht akzeptiert oder sogar verstoßen zu werden. Doch auch er hatte schließlich sein Glück gefunden. Felix. Der junge Kunststudent hatte ihm innerhalb kürzester Zeit komplett den Kopf verdreht und die beiden waren jetzt seit einem halben Jahr zusammen. Bei Bill und mir waren es nun schon über drei Jahre, aber es war immernoch genauso intensiv wie am Anfang. Wenn nicht sogar noch intensiver.

***

„Hey…“ Bill kam zur Tür reingewuselt und warf seine Tasche in die nächstbeste Ecke. „ich hab dich vermisst, mein Schatz“, grinste er und küsste mich auf den Mund. Er hatte einen Job als Barkeeper angenommen, ein paar Stunden am Tag. Ich half regelmäßig im örtlichen Kino aus. Irgendwoher mussten wir ja auch Geld bekommen, um uns über Wasser zu halten. Zärtlich erwiderte ich den Kuss und drückte meine Hüften gegen seine. „Hey… du bist doch sonst nicht so…“ murmelte er zwischen zwei Küssen „ich hab dich halt auch vermisst“ „ich war doch nur ein paar Stunden weg…“ „Na und…?“ flüsterte ich mit rauer Stimme und schob meine Hand unter sein Shirt. Er trug immernoch dieselben engen Shirts wie früher. Sein Look hatte sich insgesamt nicht wirklich verändert, er war nur älter geworden. Und um einiges schärfer. Ich strich mit meiner Zunge über seine Lippen, schließlich öffnete er sie leicht und gewährte mir Einlass. Endlich. Er liebte es, mich zu quälen. Ich wurde jedes Mal fast verrückt. Er wusste das. Und genau deswegen tat er es auch andauernd. Ich ließ mich rückwärts zum Bett führen, ließ mich darauf fallen, Bill hinterher. Er machte sich an meinem Shirt zu schaffen, schließlich zog er es mir unsanft über den Kopf. „Au“, protestierte ich, aber Bill sagte nur „Halt die Klappe“. Seine Brust hob und senkte sich heftig, seine Lippen bebten. Allein der Anblick machte mich verrückt. Ich zog ihm auch sein Shirt aus. Innerhalb kurzer Zeit waren wir auch beide unsere Hosen los. Er begann, meinen Hals zu küssen, saugte sich zuerst zärtlich daran fest, dann immer wilder und gieriger. Schließlich war er an meinem Bauchnabel angekommen, aber er hörte nicht auf. Er stoppte erst am Bund meiner Boxershorts, an dem er provozierend entlangknabberte. Nebenbei fuhr er mit seiner Hand an meinem Oberschenkel hoch, langsam und aufreizend. An diesem Punkt war es mit meiner Beherrschung vorbei und ich stöhnte auf. Das schien ihn noch mehr zu motivieren, denn einen Augenblick später war ich auch das letzte Kleidungsstück los und bekam endlich, was ich wollte.

***

“Hey... Mäuschen?” verstört sah ich mich um. Bills Gesicht war direkt über mir „Ich geh kurz duschen, ja?“, sagte er und stand auf. Ich blickte ihm kurz hinterher. Dann streckte ich mich und stand auf. Bevor ich mich anzog, warf ich einen Blick auf die Uhr – 11:27. Wow. Wir hatten ganz schön lange gepennt. Ich drehte das Radio auf. Gerade lief ein Song von Green Day. Leise sang ich mit. ~Wake me up… when september ends…~ Ich wollte aber nicht aufgeweckt werden. Ich wollte für immer in diesem Traum weiterleben. Aber ich wusste, dass das nicht ging. Ich musste irgendwann aufwachen. Und es musste etwas geben nach Bill. Ich musste stark sein, den Schmerz hinunterschlucken… Ich musste mich von ihm trennen. Noch nicht jetzt, noch nicht heute. Aber irgendwann.


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