ever dream... Fanfictions written by Camryn

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Sämtliche Texte unterliegen meinem Copyright, wenn nicht anders vermerkt.

Genre: Drama
Hauptpersonen: Bill & Camryn
Sicht: Camryn
Rating: PG14
Kapitel: noch unbekannt
Copyright/Disclaimer: siehe "About"
Warnung: Alkohol, Drogen, ...
Anmerkung: Die Hauptfigur heißt zwar Camryn, hat aber weder etwas mit mir zu tun noch mit den Camryns aus den anderen FFs.


Highway to Hell


dead.

„Herrgott“, fauche ich in die Stille und beschleunige meine Schritte. Das kann doch nicht wahr sein. Dass ich mich so leicht aus der Fassung bringen lasse. Dass ich mich so verliere. Ich bin ein Wrack, nichts weiter als eine seelenlose Hülle. Sie hat mich zerstört. Ganz langsam hat sie mich kaputt gemacht, anstatt mir einfach eine Kugel in den Kopf zu jagen oder etwas in der Art. Nein, es musste langsam und schmerzhaft sein. So, dass nur meine Seele still und leise starb. Auch wenn ich am liebsten laut geschrieen hätte. Ich glaube nicht, dass ihr jemals bewusst war, wie sehr ich darunter litt. Jedes Mal, wenn aus der Tür ging, bekam meine Seele einen neuen Riss. Jedes Mal, wenn sie zu diesem Kerl ging, hätte ich sie am liebsten umgebracht. Und gleichzeitig wollte ich zu ihr laufen und sie einfach nur festhalten. Ich habe sie geliebt. Und sie ist nicht gegangen. Damals hätte ich es mir gewünscht. Doch jetzt, da sie wirklich weg ist, wünsche ich mir, dass sie zurückkommt. Ich habe es nie bemerkt, doch ihre Anwesenheit machte mich glücklich. Ich war nur zu sehr im Selbstmitleid versunken, um das zu spüren. Frauenpower. So ein Schwachsinn. Aber warum muss auch ausgerechnet ich so sein? Ich, eine verdammte Lesbe? Dass ich mich nicht für Jungs interessiert habe, hat mich am Anfang nicht weiter gestört. Doch irgendwann war es einfach komisch, dass kein Junge mich für sich gewinnen konnte und ich begann, mir Sorgen zu machen. Und dann kam sie. Sie wurde zu meiner besten Freundin, aber für mich war es niemals nur eine Freundschaft. Da war immer mehr. Mit jedem Typ, den sie hatte, wurde ich näher an den Abgrund gedrängt. Alles um mich herum schien unwichtig, sie war der Mittelpunkt meines Daseins. Und irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und ihr alles erzählt. Die Quittung dafür bekomme ich jetzt. Sie hat es nicht verstanden, mich als krank bezeichnet. Und dann hat sie ihre Sachen gepackt und ist gegangen. Einfach so. Hat mich zurückgelassen mit diesem Loch im Herzen, das von Tag zu Tag größer zu werden scheint.


disco.

Die Absätze meiner Highheels geben Laute von sich, die auf dem Asphalt widerhallen. Wie gestern ist es klirrend kalt und ich ziehe den Pelzkragen meines Mantels noch ein Stück nach oben. Gedankenverloren krame ich meinen Lipgloss aus meiner Tasche und ziehe noch mal meine Lippen nach, bevor ich den Club betrete. Drinnen ist es stickig heiß und ich ziehe erstmal meinen Mantel aus. Dann setze ich mich an die Bar, wo am meisten los zu sein scheint. Das ist genau das, was ich jetzt brauche. Ablenkung.
„Na, was möchtest du trinken?“, fragt mich der Barkeeper mit einem derart charmanten Lächeln, das jedem heterosexuellen Mädchen die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Aber nicht mit mir. Ich legte soviel Kälte in meinen Blick wie ich nur konnte und entgegnete dann mit einem galanten Lächeln „Pina Colada“. „Wow. Hast du heute noch was Bestimmtes vor?“ „Wüsste nicht, was dich das anginge“ Das klang jetzt aber frostiger, als ich beabsichtigt habe. Egal. „Na schön. Dann eben nicht“ Er knallt den Colada vor mir auf den Tresen. Ich nehme ihn und leere ihn in einem Zug.
„Nicht schlecht“, vernehme ich eine Stimme neben mir. Sind denn heute nur Idioten unterwegs? Ich drehe den Kopf – und erstarre. Hat dieses Mädchen das eben gesagt? Das kann doch nicht sein. Aber es kam eindeutig aus dieser Richtung. „Sag mal, bist du ne Transe oder was?“, fauche ich gereizter als gewollt. Die Tussi schaut mich an und hebt eine Augenbraue. Zupfen wäre nötig. Ihre Augen funkeln beinahe belustigt. „Soll das ein Scherz sein?“ Ich werd verrückt. Die hat doch tatsächlich eine männliche Stimme. Irgendwas an mir scheint sie köstlich zu amüsieren, denn plötzlich bricht sie in schallendes Gelächter aus. Und auf einmal sieht sie gar nicht mehr so weiblich aus. Ihren Klamotten nach zu urteilen, könnte sie tatsächlich ein Junge sein. „Du bist ein Junge?“ Oh Gott. Wie bescheuert kann man sein? Ich kann mich nur mit Mühe davon abhalten, mir selbst an den Kopf zu fassen. Aber sie oder er scheint mir nicht böse zu sein, sondern lächelt nur und sagt schlicht „Ja.“ „Oh“ Jetzt muss auch ich grinsen. „Tut mir leid“ „Kein Problem“ Er hört auf zu lächeln, presst stattdessen kurz die Lippen zusammen und hält mir dann eine Packung Zigaretten vor die Nase. „Auch eine?“


lovelight.

„Danke, ich bin Nichtraucher“ „Ach so… stört’s dich, wenn ich…?“ „Nein, nein, mach nur…“ Warum fragt er überhaupt? Als ob seine Zigarette bei dem vielen Qualm noch etwas ausmachen würde. Aber lieb ist es ja schon. Ich beobachte ihn, wie er an seiner Kippe zieht. Zugegeben, er sieht ziemlich sexy aus dabei. Eine Strähne seines halblangen schwarzen Haares fällt ihm ins Gesicht und er fixiert mich mit seinen schokoladenbraunen Augen. Sein Blick hat irgendwie was, etwas Warmes, Helles… Aber was denke ich da überhaupt? Er ist schließlich männlich und somit uninteressant für mich. Aber immerhin scheint er ja ganz nett zu sein. Und nette Leute sind im Moment genau das, was ich brauche. Keine Beziehungskisten, keine Sorgen. Ich seufze auf. Und bemerke im nächsten Moment geschockt, dass er mich immernoch anstarrt. Noch bevor ich etwas sagen kann, kommt er mir auch schon zuvor. „Hast du was? Du sahst eben so weggetreten aus“ „Ich… nein, nichts… aber wie heißt du eigentlich?“ „Bill“ „Freut mich. Ich bin Camryn“ Ich lächle ihn freundlich an, irgendwie ist er mir sympathisch. Wir beginnen eine angeregte Unterhaltung, reden über Gott und die Welt. Er ist wirklich nett. Und lustig. Er erinnert mich ein bisschen an jemanden, den ich eigentlich schon längst aus meinen Gedanken verbannt habe. Die Erinnerung an diese Person ist nicht schön, aber die Person selbst habe ich sehr gern gehabt. Zu gern vielleicht. Aber das ist Vergangenheit.
Die Zeit scheint wie im Flug zu vergehen und irgendwann nach Mitternacht kann ich kaum noch die Augen offen halten. Bill sieht auf die Uhr und meint: „Hey, tut mir leid, aber ich muss echt los… bekomm ich deine Nummer?“ Er setzt einen derartigen Hundeblick auf, dass ich schon fast wieder lachen muss, „Klar“ Ich kritzle meine Nummer auf einen der herumliegenden Flyer und drücke ihm das Papier in die Hand. Ich glaube, ich hatte heute so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Und vielleicht besteht ja die Chance, dass Bill und ich Freunde werden. Vielleicht ist er nicht nur scharf auf mich, Vielleicht ist er ja anders als der Rest der Männerschaft.


party.

„Sekt?“ „Klar“ Bill streckt sich genüsslich auf meiner Couch aus. Bei dem Anblick muss ich unwillkürlich lächeln. Ich kenne ihn nun gerade erst seit einer Woche, und trotzdem kommt es mir vor, als wären wir alte Sandkastenfreunde. Zumindest feiern kann man gut mit ihm. Ich drücke ihm ein Glas in die Hand. Aber natürlich bleibt es nicht bei diesem einen Glas. Eine knappe Stunde und ein paar Mal Nachschenken später sind wir beide ziemlich angeheitert und lachen uns über jeden Mist halb tot. „Weißt du…“, lalle ich, „Ich binne Lesbe, un meine beste Freundin is deswe’n abgehaun, un jezz hock ich hier un heul mir die Augn ausm Kopf“ Auf einmal finde ich das urkomisch und bekomme einen regelrechten Lachanfall. Und Bills Gesichtsausdruck macht die Sache noch viel lustiger. Nach einer Weile meint er: „Nein.“ „Wie nein?“ Ich muss schon wieder lachen. „Ich glaub’s dir nicht. Du bist keine Lesbe.“, sagt er fest. „Doch“, kichere ich mit Tränen in den Augen. Er starrt mich einen Moment lang fassungslos an, dann nimmt er meine Handgelenke und drückt mich rückwärts gegen die Sofalehne. „Dann sag mir, dass dir das nicht gefällt“ Ehe ich mich wehren kann, presst er seine Lippen auf meine. Ich schnappe empört nach Luft. Wie kann er nur? Aber ich muss zugeben, es fühlt sich gut an. Verdammt gut. Für einen Augenblick scheint mein Kopf wie leergefegt, doch dann kehrt meine Beherrschung zurück und ich schubse ihn von mir runter. „Verdammt Bill, was zum Teufel soll das?“ Ich springe auf und zerre ihn von der Couch hoch. „Verschwinde!“, keuche ich, noch immer geschockt. Wie kann er nur? „Es tut mir leid, Camryn“ Wäre ich nicht so blind vor Zorn, würde ich sehen, wie kleinlaut er plötzlich ist. Vielleicht bemerke ich es auch. Doch es interessiert mich nicht. Ich sehe nur noch meine eigene Verwirrtheit und die Wut in meinem Bauch. „Das ist mir so was von egal!“, keife ich hysterisch und schubse ihn zur Tür. Ich dachte, er wäre anders… „Raus“ Zornfunkelnd sehe ich ihn an. Er schüttelt nur den Kopf – und geht.


numb.

Wie betäubt rutsche ich an der Rückseite der Tür hinunter. Was zur Hölle war das eben? Wieso hat er das getan? Und warum war ich so überwältigt, warum habe ich ihn nicht sofort weggestoßen? Er ist ein Mann. Oder ein Junge. Wie auch immer. Es ist ja nicht so, dass ich ihn hässlich finde. Ich halte ihn sogar für recht attraktiv. Aber eben nicht für mich. Und dann ist da noch Mandy. Ich kann nicht ohne sie leben. Aber mit ihr genauso wenig. Was soll ich jetzt nur tun?
Ich betrachte meine Hände. Sie zittern noch immer. Vorsichtig fahre ich mit dem Finger über meine Lippen. Sie fühlen sich anders an als sonst. So, als ob eine Art unsichtbarer Film auf ihnen haften würde. So unecht. Ich stehe auf, brauche jetzt erstmal etwas zur Beruhigung. Keine Schokolade da. Dann eben etwas anderes. Ich mache mich auf den Weg nach unten, durchsuche die Minibar meiner Eltern. Ich will diese verdammte Verwirrung loswerden, den Sturm, der in meinem Kopf herrscht. Mitsamt meiner Unsicherheit.
Whisky. Perfekt. Ein Glas. Alles genau wie vorher. Noch eins. Oha. Ich glaube, das zeigt doch Wirkung. Ich will zum nächsten Stuhl gehen, schwanke jedoch mit jedem Schritt mehr. Was ist denn heute bloß los mit mir? Erschöpft lasse ich mich auf den Stuhl sinken und stütze den Kopf auf die Hände. 2 Gläser purer Whisky. Und trotzdem kann ich nicht abschalten. Meine Gedanken wandern ständig zu Bill und dem Kuss. Auch wenn es kein richtiger Kuss war. Mühsam erhebe ich mich wieder und wanke zur Bar, um die Flasche wieder hineinzustellen. Danach begebe ich mich in mein Bett und keine fünf Minuten später bin ich eingeschlafen.


question.

Mein Kopf schmerzt. Mühsam richte ich mich auf. Was ist los? Wieso bin ich hier? Ich reibe meine Schläfen und mit einem Schlag prasseln alle Erinnerungen an gestern Abend auf mich nieder. Oh nein. Das sollte nicht so kommen. Ich dachte, Bill wäre anders als die anderen Männer. Aber warum sollte er auch? Männer sind nun einmal so. Egoistisch. Gemein. Notgeil. Was habe ich anderes erwartet? Mir ist kalt. Und gleichzeitig ist mir unerträglich heiß. Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich jetzt tun soll. Soll ich Bill einfach anrufen? Er war ja schließlich nicht mehr nüchtern und vielleicht war es tatsächlich nur ein Ausrutscher. Nicht mehr. Aber andererseits sagt man ja, Betrunkene und Kinder sagen die Wahrheit. Was also, wenn er…? Verdammt, das bringt doch alles nichts. Ich bin so zerrissen wie noch nie. Irgendetwas sagt mir, dass ich ihn nicht einfach fallen lassen sollte. Aber ich habe Angst. Ich will nicht verletzt werden. Nicht schon wieder. Mit pochenden Schläfen richte ich mich auf. Was ist bloß los mit mir? Sonst bin ich doch auch nicht so unsicher. Und vor allem hatte ich es noch nie nötig, einem Typen hinterherzulaufen. Und ich werde es auch diesmal nicht tun. Ich war schon immer voller Stolz und wegen so jemandem werde ich meinen Stolz ganz sicher nicht verlieren. Soll er doch denken, was er will. Ja, darauf könnte ich trinken. Und genau das werde ich jetzt auch tun.


crossed.

„Camryn!“ Eine Stimme. Ein kurzer stechender Schmerz. Farben. Lichter. Alles viel zu hell. Und wieder Schmerz, diesmal bleibend. Ist das wirklich mein Kopf? Vorsichtig öffne ich die Augen. Alles verschwommen. Was ist passiert? Ich kann mich an nichts erinnern. Blackout. Ich spüre etwas Kaltes, Hartes unter mir. Die Küchenfliesen? Etwas bewegt sich neben mir, und für einen Moment glaube ich, erneut ohnmächtig zu werden. Doch dann spüre ich etwas Kühles an meiner Stirn und ein Gesicht schiebt sich in mein Blickfeld. Bill? Wie ist er denn hereingekommen? Verwirrt runzle ich die Stirn, was schon wieder einen stechenden Schmerz auslöst. Verdammt. „Was…“, krächze ich heisern. „Was ist… passiert?“ „Das würde ich gerne von dir wissen!“ Unwillkürlich zucke ich zusammen bei seinem ungehaltenen Tonfall. „Ich weiß es nicht“, gebe ich kleinlaut zu. Moment, kleinlaut? Ich bin nur kleinlaut wenn ich getrunken habe. Was habe ich denn…? Es muss verdammt viel gewesen sein. Und heftig. „Was zur Hölle hast du getrunken?“, fährt Bill mich an. „Du hättest dich fast ins Koma gesoffen!“ Der Ausdruck seiner braunen Augen trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht. Hat er etwa Recht? Das kann doch nicht sein. Ich hatte mich immer unter Kontrolle. „Dort drüben an der Spüle steht eine leere Flasche Wodka“, faucht er halb geschockt, halb sauer. „Sag mir nicht, dass du das alles getrunken hast“ Er sieht mich fest an und ich kann nicht anders, als den Blick abzuwenden und leise zu nuscheln: „Ich fürchte schon“ Bills sicherer Gesichtsausdruck weicht einem entgeisterten Staunen und er scheint irgendwie sprachlos. Doch im nächsten Augenblick hat er sich wieder gefasst, beugt sich zu mir runter und trägt mich vorsichtig ins Schlafzimmer zu meinem Bett. „Mensch Camryn…“, höre ich ihn noch murmeln, bevor der Schlaf mich endgültig überrollt.


words.

Camryn,
wenn du aufwachst, bin ich wahrscheinlich schon weg.
Bitte überlege dir, ob die paar Tage, in denen wir uns näher kennen gelernt haben,
wichtig für dich waren.
Wenn ja, dann melde dich
Bill


Ich überfliege die Worte, verstehe ihren Sinn jedoch nicht. Mein Kopf schmerzt zu stark und ich bin verwirrt. Erst nach dem fünften Mal beginne ich, klarer zu sehen. Wichtig? Naja, wie meint er das? Was ist für ihn wichtig? Irgendwie ist er doch nur ein Typ. Einer von vielen, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe. Aber er hat irgendetwas, das mich irritiert. Etwas, das keiner der anderen hatte. Außer vielleicht… egal, nicht darüber nachdenken. Während ich den Zettel auf dem Küchentisch noch einmal anschaue, komme ich zu dem Entschluss, dass es nicht schaden kann, ihn näher kennen zu lernen. Einfach so. Gequält von dem Hämmern in meinem Kopf schleppe ich mich zum Telefon und dem Stück Papier, auf das ich seine Nummer geschrieben habe. Leicht zögerlich wähle ich Bills Nummer.


breakdown.

„Und das fühlt sich wirklich gut an?“ Leicht skeptisch betrachte ich meinen Kumpel. Der jedoch grinst nur und hält mir seinen Joint hin. „Probier doch auch mal“ „Hm… na gut“ Einmal kann ja nicht schaden. Ich nehme ihm den Joint aus der Hand und ziehe einmal kurz daran. „Ich spür nichts“ „Du musst schon ein paar Mal ziehen“ Na gut. Zweimal. Dreimal. Schon besser. Ein Gefühl der Freiheit steigt in mir hoch, zwar noch schwach, aber doch vorhanden. „Ich behalt das Ding“, beschließe ich. Björn lächelt kurz und murmelt: „Wusste ich’s doch…“, während er einen weiteren Joint aus seiner Tasche holt und nach seinem Feuerzeug greift. Verstohlen betrachte ich ihn von der Seite. Er ist der einzige mann in meinem Leben, das war er schon immer. Schon früher, als wir noch Kinder waren. In der Puberttät. Es wurde mehr, unsere Beziehung intensiver, und doch hat es nie für Liebe gereicht. Nicht für ihn. Ich habe ihm mein Herz geschenkt und er hat es wieder und wieder weggeworfen, ohne es überhaupt wahrzunehmen. Für ihn war es ein Spiel, doch ich bin nie ganz von ihm losgekommen. Irgendwann hat er mit Drogen angefangen, was ich nie verstanden habe. Aber so langsam beginne ich, zu begreifen. Der Joint in meiner Hand wird immer kürzer, während ich mich von Zug zu Zug betäubter fühle. So funktioniert das also. Schmerz betäuben. Alles fühlt sich viel leichter an. Mir fällt urplötzlich ein, dass ich noch etwas zu erledigen habe. Ich stemme mich hoch, drücke meinen Joint aus und bedeute Björn, zu gehen. In seinen Augen kann ich sehen, dass er es nicht versteht, doch das ist mir im Moment nicht wichtig. Als er weg ist, gehe ich zum Telefon und wähle Bills Nummer. Was ich sagen will, weiß ich nicht. Aber das wird sich ergeben.
„Hallo?“, ertönt seine Stimme am anderen Ende. „Hey Bill, ähm, ich bin’s“, plappere ich sofort los, woher die Worte kommen, weiß ich selbst nicht. „Ja weißt du, du hast ja diesen Brief geschrieben und… die letzte Zeit mit dir hat mir gefallen.“ Moment mal, was für einen Mist rede ich da? Egal, weiter im Konzept. Welches Konzept? Kein Konzept. Was soll’s. „Ich weiß selber nicht was mit mir los ist, ich weiß nur dass ich dich gerne sehen würde, um mit dir persönlich zu reden und nicht über Telefon und Handy. Bitte komm doch zu mir, ja?“ „Kann ich machen Camryn“ Er klingt verwirrt. Warum? Merkt er, dass ich breit bin? Und wenn schon. Er ist doch sowieso nur ein Mann. „Ich bin in einer Stunde bei dir! Bis dann!“ na prima. Und was mache ich so lange? Björn hat sein Zeug mitgenommen und Alkohol ist auch keiner mehr im Haus. Ich gehe ins Bad, um ein wenig meine Augenringe zu überschminken und mich zu kämmen. Aber was ist das? Auf dem Wachbeckenrand liegt etwas, das einem Joint verdammt ähnlich sieht. Und das Teil ist noch ganz. Ich nehme es und zünde ihn mit Hilfe des Feuerzeuges, das ich immer in der Hosentasche habe, an, dann setze ich mich ans Schlafzimmerfenster und schaue auf die Straße wie eine Strohwitwe. Habe ja auch nichts Besseres zu tun. Immerhin kann ich nebenbei rauchen. Es dauert Ewigkeiten, bis Bill kommt. Als er endlich erscheint, rufe ich ihm zu, dass er hochkommen soll. Normalerweise hätte ich jetzt Angst vor dem, was kommt, aber mir geht es richtig gut. Ich verstecke noch schnell den Rest des Joints, dann öffne ich die Tür und lasse Bill herein. Wir setzen uns gemeinsam an den Tisch und er sagt beinahe vorwurfsvoll: „So. Du wolltest dass ich komme, dann fang mal an. Was gibt’s?“ Ich seufze gekünstelt, er muss ja nicht merken, dass mich gerade überhaupt nichts kratzt. „Bill, es tut mir Leid wie ich mich verhalten habe.“ Zum ersten Mal heute wird mir bewusst, dass ich diese Worte wirklich ernst meine, egal wie viel Gras ich geraucht habe und wie locker ich alles sehe. „Die letzte Zeit mit dir war echt schön und ich würde auch weiterhin gerne mit dir zusammen… etwas unternehmen. Ich… ich weiß, das mit dem Alkohol war scheiße. Es tut mir leid. Bitte Bill… verzeih mir, ich hab dich doch lieb mein Süßer.“ lieb? Süßer? Moment mal. Das wollte ich jetzt weder so sagen, noch habe ich es so gemeint. Irgendwie bin ich echt zugekifft. Ich bin eigentlich nicht so. Vermutlich nur unter Einfluss von Drogen. „Okay, also du meinst das ernst?“ Nein verdammt, du bist ein dummer kleiner Junge und wenn ich nicht so breit wäre, würde ich dich sicher nicht Süßer nennen! „Ja, das meine ich ernst“, murmle ich schon fast genervt, was er allerdings nicht zu bemerken scheint. „Okay dann komm mal her“ Was wird das denn jetzt wieder? Das klang ja schon beinahe zärtlich. Fast muss ich grinsen, aber ich verkneife es mir und will gerade zu Bill gehen, als er mich auch schon in den Arm nimmt und an sich drückt. „Du Camryn, ähm…“, nuschelt er in mein Ohr, „Der Kuss…“ Ach DER. Jaah, eigentlich war der sogar gut. Aufregend irgendwie. „Weißt du… es tut mir Leid dass ich es getan habe ohne deine Erlaubnis.“ Ich hätte es auch nie ‚erlaubt’, das weiß ich. Wenn ich darüber nachdenke, war es eigentlich gut so. Auch wenn ich ihn nicht liebe, es war irgendwie toll. „Aber glaub mir, ich… ich habe mich echt in dich verliebt“ Auch das noch. Noch ein kleiner Junge, der auf mich abfährt. Egal, daraus kann man etwas machen. Ich sehe ihn an, wanke ein bisschen. Ich lege meine Hand in seinen Nacken, hauptsächlich um nicht umzufallen, und lege meine Lippen auf seine. Für einen Augenblick spüre ich ein Kribbeln, er durchtrennt für den Bruchteil einer Sekunde den Schleier, der sich vor mein Gehirn gelegt zu haben scheint. Er seufzt leise und beginnt, mit meiner Zunge zu spielen. Ich muss zugeben, er schmeckt ziemlich gut. Aber das würde ich im Moment vermutlich von allem behaupten. Doch was macht das für einen Unterschied? Ich lasse mich fallen, genieße es, von ihm geküsst zu werden und noch während ich ihn in Richtung Eckbank bugsiere, ziehe ich ihm das Shirt über den Kopf.


runaway.

Seine Küsse werden immer hungriger und er kann schon lange nicht mehr verbergen, wie sehr er mich will. Irgendwie beginnt die Sache, mich zu beunruhigen. Will ich wirklich so weit gehen? Noch kann ich es stoppen. Aber irgendetwas hindert mich daran. Er beginnt, meinen Hals zu küssen, aber meine vorherige Entspanntheit verwandelt sich langsam in Misstrauen und als er meine Hose öffnen will, ist es endgültig vorbei. „Bill, ich…“ Er scheint gar nicht zu bemerken, dass ich etwas sagen will, macht einfach weiter. „Lass mich… ich… ich kann das nicht“ Entschlossen schubse ich ihn von mir runter, er sieht mich nur vollkommen irritiert an. „Was hast du? Eben knutschst du mich noch nieder und jetzt…“ „Ach ich weiß auch nicht was mich da geritten hat“ Falsch. Aber das muss er ja nicht wissen. Der Schleier hat sich gelichtet, so langsam sehe ich wieder klarer. Was habe ich getan? Er scheint wirklich in mich verliebt zu sein und ich weiß nichts Besseres, als ihn zu verletzen. Ganz toll gemacht, Camryn. Jetzt heißt es: rette, was noch zu retten ist. Hastig ziehe ich mein Oberteil wieder an, er tut es mir gleich. Eine Weile lang herrscht peinliche Stille, hängt in der Luft wie eine Wand, die nahezu undurchdringbar scheint.
„Bist du jetzt… böse?“, frage ich schließlich vorsichtig. Er sieht mir in die Augen, runzelt leicht die Stirn. „Nein, ich bin nur… verwirrt“ „Das kann ich verstehen… weißt du, im Moment verstehe ich mich selbst weniger als andere, das ist alles so kompliziert“ „Komm mal her“ Er zieht mich in seine Arme, beinahe zaghaft, als wollte er mir nicht zu nahe kommen. Verständlich, nach dem was eben geschehen ist. „Was verstehst du denn nicht?“
„Mich… dich… meine Mitmenschen… alles“ „Hmmm… zum Beispiel?“ Ich lehne mich an seine Brust, obwohl sie verdammt zerbrechlich scheint und schaue nach oben zu ihm, während ich beginne zu reden. „Ich weiß nicht, alles wird komplizierter. Ich bin lesbisch, kreuzunglücklich und kurz davor, dass mir alles egal ist, und dann kommst du und plötzlich ist nicht mehr alles egal. Du darfst nicht denken, dass du mir nichts bedeutest, aber ich kann dich auch nicht lieben. Verstehst du das?“ Er seufzt, sieht für einen Moment unglaublich traurig aus, doch dann fängt er sich wieder und sagt leise: „Ehrlich gesagt… nein. Aber darf ich dich mal was fragen?“ „Ja, darfst du“, entgegne ich etwas verwundert, aber doch neugierig. „Warum bist du dir eigentlich so sicher, dass du lesbisch bist?“ Peng. Mitten ins Schwarze. Will er wirklich eine Antwort darauf? Wenn ja, dann keine konkrete. „Weil es besser ist“, sage ich entschlossen. „Warum?“ „Früher war ich mit einem Jungen befreundet… das bin ich auch jetzt noch… aber ich wollte damals mehr… er hat mir mehr gegeben, aber für ihn war es nur eine Affäre… es hat so wehgetan.“ Für einen Augenblick stocke ich, bin den Tränen nahe. Wieder einmal. „Aber so sind alle Männer. Versteh mich nicht falsch, ich mag dich, aber du würdest mich doch auch nur verletzen“ „Und die Mädchen nicht?“ „Mädchen sind feinfühliger als Jungs“ Er streichelt mir vorsichtig über die Wange „Es gibt auch feinfühlige Jungs“ „Wirklich? Bist du dir da sicher?“ Ich richte mich auf, sehe ihm in die Augen. „Ja, bin ich. Du musst mir nur eine Chance geben, es dir zu zeigen“


controlling.

Ich werfe noch einmal einen prüfenden Blick in den Spiegel, ehe ich meinen Schlüssel nehme und die Tür hinter mir zuschließe. In einer halben Stunde soll ich am Kino sein. Ein Date mit Bill. Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, er hat wirklich eine Chance verdient. Er ist zwar ein Junge, aber ich mag ihn. Und früher stand ich mal auf einen Jungen, vielleicht ist das ja eines Tages wieder so.


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