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Sämtliche Texte unterliegen meinem Copyright, wenn nicht anders vermerkt.

Genre: Drama
Hauptpersonen: Bill & Eve
Sicht: Eve
Rating: PG14 bis PG16
Kapitel: noch unbekannt
Copyright/Disclaimer: siehe "About"
Warnung: Gewaltverherrlichung von Seiten der Hauptfigur darf nicht ernst genommen werden! Es ist nur ihre vollkommen kranke Sicht der Dinge... teilweise sehr depri.


Revenge
Nicht alles ist, wie es scheint


Kapitel 1 – Das glücklichste Mädchen der Welt

Lächelnd lief sie auf ihn zu. Ihn, ihren Freund. Sie konnte es noch immer nicht fassen. Er, ausgerechnet ER, hatte sich in sie verliebt. Und jetzt waren sie zusammen. Etwas Besseres konnte es gar nicht geben, da war sie sich sicher.
Ganze 3 Monate waren sie jetzt zusammen. Und sie glaubte, der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Er war einfach perfekt. „Eve!“ Er nahm sie in seine Arme und küsste sie. Sie hatte sich schon oft gefragt, wie ihre Eltern auf einen Namen wie diesen kamen. Er war schließlich amerikanisch und sie fand ihn absolut grässlich. Aber er, ihr Freund, hatte ihr schon oft gesagt, wie wundervoll dieser Name doch sei. Überhaupt sei sie wunderbar. Und jedes einzelne Mal, wenn er so etwas zu ihr sagte, dachte sie sich: Womit habe ich ihn nur verdient? Sie war klein, schüchtern und hielt sich für nichts Besonderes. Tatsächlich war sie der Meinung, ziemlich unattraktiv zu sein. Und er war der erste Junge, der ihr das Gefühl gab, etwas wert zu sein. Dafür liebte sie ihn.
„Was machst du denn hier?“ Andere hätten das jetzt negativ aufgefasst, doch dank dem Lächeln und dem Funkeln seiner Augen wusste sie, dass er sich freute, sie zu sehen. „Ach, weißt du, meine Mutter hat mich mitgeschleppt zum Shoppen“, grinste sie und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Sie kann sich nie entscheiden und deshalb braucht sie einen Berater“ „Frauen“ Er lachte, löste sich aus der Umarmung. „Und wo ist sie jetzt?“ „In der Abteilung für Unterwäsche“ Sie schmunzelte leicht und schaute ihn von der Seite an. Auch er schien sichtlich amüsiert, und sie konnte einfach nicht anders, als ihn in die Wange zu kneifen. „Hey!“ Sie lachte. Bei ihm konnte sie einfach sie selbst sein, das wusste sie. Wenn sie bei ihm war, musste sie nicht mehr schüchtern sein, hatte keinen Grund mehr, sich zu verstecken. Nur manchmal brachte er sie noch dazu, verlegen zu werden. Genau wie jetzt.
„Hast du eine Ahnung, wie süß du bist, wenn du lachst?“ Sie errötete leicht und senkte den Blick. Komplimente wie dieses waren ihr peinlich, sie mochte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Er bemerkte ihre Verlegenheit sofort und legte seine Hand an ihr Kinn, um es dann sanft nach oben zu drücken. Er beugte sich zu ihr und legte vorsichtig seine Lippen auf ihre. Sie spürte wie jedes Mal ein Kribbeln im Bauch, doch gleichzeitig war ihr etwas mulmig zumute, wenn sie bedachte, wer ihnen jetzt in diesem Moment alles zusehen könnte. Aber sie verdrängte diesen unschönen Gedanken und dachte daran, wie toll es doch war, mit ihm zusammen zu sein.


Kapitel 2 – Vergangenheit

„Sag mal, hast du heute Abend schon was vor?“ Sie blickte ihn erwartungsvoll an. „Jetzt schon“, sagte er schlicht und nahm ihre Hand. Inzwischen konnte sie das richtig genießen, während sie am Anfang jedes Mal begonnen hatte, zu zittern. Er hatte es wohl bemerkt, doch er hatte nicht locker gelassen, es immer wieder versucht. Er hatte sie nicht abgeschrieben, nur weil sie diese Art von Berührungsängsten hatte. Sie war ihm sehr dankbar dafür, denn die Jungs, in die sie vorher verliebt gewesen war, hatten sie jedes Mal schon nach kürzester Zeit sitzen gelassen. Weil sie dachten, sie sei zickig. Doch Bill wusste es besser. Er hatte sofort bemerkt, dass etwas hinter all dem steckte, und hatte sie langsam und vorsichtig zum Reden gebracht. Und sie hatte ihm nach und nach die ganze Geschichte erzählt. Von ihrem Vater und ihrer Mutter, dem Streit, der Alkoholsucht und den Depressionen. Obwohl all das jetzt Vergangenheit war, machte es ihr immer wieder erneut Angst. Sie hatte noch nie jemandem davon erzählt. Außer ihm. Weil sie ihm vertrauen konnte.

***

„Eve! Wo bleibst du denn? Wir wollten doch noch Schuhe kaufen gehen!“ Ihre Mutter war wohl schon fertig mit der Unterwäsche, denn sie stand jetzt in kompletter Montur und mit einigen Taschen beladen am Brunnen, der die Mitte des Einkaufszentrums kennzeichnete. Sie winkte ihrer Tochter, die sich vorsichtig aus der Umarmung ihres Freundes löste. „Möchtest du mitkommen?“, fragte sie ihn. „Mh… geht nicht, ich muss nach Hause… du weißt schon, wegen der Party…“ „Ach, stimmt ja…“ Bill und sein Zwillingsbruder Tom hatten eine Halloween-Party geplant, die am nächsten Tag stattfinden sollte. Er musste seinem Bruder wohl bei den Vorbereitungen helfen, vor allem, wenn er sich abends noch mit Eve treffen wollte. „Hey, weißt du was?“ „Hm?“ „Ich komme heute Abend zu euch und helfe! Dann können wir uns treffen und gleichzeitig die Party vorbereiten“ Der große Junge drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Okay, komm dann einfach mal vorbei, sobald du kannst“ „Mach ich“ Und damit lief sie ohne noch einmal zurückzuschauen zu ihrer Mutter. „Na dann, lass uns Schuhe shoppen gehen“, lächelte sie.


Kapitel 3 – Das perfekte Paar

„Hey Süße“ Er hauchte ihr zur Begrüßung einen Kuss auf den Mund, der süßer zu schmecken schien als alles, was sie bis dahin geschmeckt hatte. Dieses Gefühl hatte sie jedes Mal, und doch wurde es nicht schwächer. Glücklich lächelte das Mädchen ihren ein paar Monate älteren Freund an. Sie hatte schon oft gehört, wie andere Mädchen sagten, der Junge müsse mindestens 2 Jahre älter sein, um wirklich zu dem Mädchen zu passen, doch ER war anders, davon war Eve fest überzeugt. Er schien so viel reifer, und doch lieb und rücksichtsvoll. Genau das, was sich jedes Mädchen wünschte. Man könnte die beiden für das Traumpaar schlechthin halten, wäre sie nicht so zurückhaltend. Denn so bemerkte man Bill und Eve gar nicht, erst bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, wie wunderbar sie zusammenpassten. Zärtlich legte sie eine Hand in seinen Nacken und zog ihn zu sich.
„Hey ihr Turteltäubchen!“ Das Timing von Bills Zwillingsbruder passt mal wieder perfekt. „Tom… du störst!“, gab Bill genervt von sich. „Jaja, schon klar. Könnt ihr mir jetzt helfen?! Ich krieg das echt nicht hin mit dieser verdammten Girlande…“ Als Eve seinem Blick folgte, erblickte sie etwas, das sie unvermittelt schmunzeln ließ. Das seltsame Etwas aus Papier, das Tom anscheinend als Girlande bezeichnete, sah aus, als hätte ein Kindergartenkind sie gemacht. „Selbst gebastelt?“ Empört zog Tom die Augenbrauen zusammen und entgegnete: „Natürlich nicht, Dummerchen! Die hab ich im Schrank gefunden!“ Mittlerweile lachte auch Bill. „Weißt du, vielleicht wäre es besser, das Ding einfach wegzulassen…?“ Er ging auf die gegenüberliegende Wand zu und riss das Papier kurzerhand weg. Tom zog einen Schmollmund und die anderen beiden lachten. In diesem Moment waren sie einfach nur glücklich und befreit. Allerdings würde ihnen das erst später klar werden.
„Als was verkleidet ihr euch?“, wollte Eve wissen. „Wird nicht verraten“, grinste Bill und piekste sie in die Seite, was sie überrascht aufquieken ließ. Tom stand daneben und lachte. Irgendwas an ihm war Eve schon immer seltsam vorgekommen, doch sie wusste einfach nicht, was sie genau an ihm störte. Er war nie gemein zu ihr gewesen, doch irgendetwas an ihm konnte sie nicht definieren. Allerdings hatte sie den Gedanken daran längst verdrängt, denn eigentlich interessierte es sie ja nicht. Bill war ihr Freund und Punkt. Was ging sein Bruder sie schon an?
Eve wandte sich wieder der Dekoration zu. Kürbislampen. Teelichter. Perfekt. Nach einer Stunde waren die drei mit allen Vorbereitungen fertig und setzten sich gemeinsam auf die Couch, um einen Film anzuschauen.


Kapitel 4 – Ängste und Hoffnungen

Bills Zwillingsbruder gähnte. „So… ich glaub, ich lass euch dann mal alleine“, meinte er mit einem vielsagenden Grinsen und stand auf. Ungefähr eine halbe Minute später hörten sie die Tür, die hinter Tom ins Schloss fiel. „Er wollte noch zu so ’nem Mädchen“, erklärte Bill und küsste Eve auf die Stirn. „Jetzt haben wir das Haus ganz für uns alleine“, flüsterte er ihr ins Ohr. Sie spürte, wie sie sich innerlich verkrampfte, senkte schüchtern den Blick. Sie wurde diese Angst einfach nicht los. Die Angst, dass er etwas von ihr erwartete, zu dem sie nicht bereit war. Zu viel war damals passiert. In ihrer Kindheit.
Sie hatte sich geschworen, sich niemals so leichtsinnig auf einen Kerl einzulassen wie ihre Mutter es damals getan hatte. Niemals wollte sie so leiden müssen. Doch jetzt… auch wenn ihr Herz ihr sagte, dass Bill der Richtige war, traute ihr Verstand ihm doch noch nicht so richtig. Und sie kam nicht dagegen an.
„Maus…? Hey… alles okay mit dir?“ Er strich vorsichtig mit dem Daumen über ihre Wange und fixierte sie mit seinem Blick. Sie lächelte leicht und sagte leise „Ja… ich hab nur eben… nachgedacht…“ „Über was denn?“ „Mhm… ich weiß nicht so recht, ob… also, eigentlich will ich nicht darüber reden. Ich fühle mich nicht gut dabei, verstehst du?“ „Eve… wir können über alles reden, das weißt du doch. Egal was du sagst, ich würde dich nie auslachen oder etwas in der Art“ „Ich weiß… aber ich bin mir nicht sicher ob du es wirklich wissen willst“ Er sah ihr tief in die Augen. „Sag es mir, Eve. Bitte.“ Sie seufzte und begann stockend, ihm von ihren Gefühlen zu erzählen. Von ihren Zweifeln, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen.

Als sie geendet hatte, zog er sie an sich und hielt sie fest, ohne ein Wort zu sagen. Das Mädchen schmiegte sich an ihn und genoss seine Nähe, die Wärme, die er ausstrahlte. Nach einer halben Ewigkeit löste er sich von ihr und schaute sie an.
„Hör zu… Ich weiß, es klingt blöd, aber ich kann dich verstehen. Dass du Angst davor hast, mir zu vertrauen. Nach allem, was du durchgemacht hast, ist das nur natürlich, aber… du brauchst keine Angst zu haben“ Er nahm ihre Hand und strich behutsam darüber. „Ich würde nie etwas von dir verlangen, das du nicht willst… wir lassen uns so viel Zeit, wie du brauchst, okay?“ „Okay“ Sie lächelte, fühlte sich auf einmal viel stärker. „Ich liebe dich“, hauchte er an ihrem Mund, bevor er sie lange und zärtlich küsste.
„Ich liebe dich auch“, entgegnete sie mit Tränen in den Augen. Und in diesem Moment fühlte das sonst so unsichere Mädchen sich wie eine Prinzessin in einem Märchen. Ihrem Märchen.


Kapitel 5 – Halloween

„Huch!“ Er stieß einen erschrockenen Schrei aus, als er die Tür öffnete. Unter einem Vorhang aus langen, schwarzen Haaren erklang ein Lachen. Genau wie sie es sich vorgestellt hatte. Langsam hob das Mädchen in dem wunderschönen und doch zerlumpten Kleid den Kopf, das Gesicht noch immer unter den Haaren verborgen. „Ich bin Samara, das Killermädchen“, wisperte sie mit gruslig klingender Stimme. Die Lichter der Kürbislampen flackerten in der Dunkelheit. Der große Junge, der vor dem schwarzhaarigen Mädchen stand, lächelte und fragte: „Hast du den tödlichen Blick oder darf ich dir die Haare aus dem Gesicht machen?“ „Find’s doch heraus“, erwiderte das Wesen mit krächzender Stimme und lachte leise. Er lachte und schob mit einer Handbewegung ihre Haare, die vielmehr eine Perücke waren, zur Seite. Ein hübsches Mädchen kam zum Vorschein. Sie hatte smaragdgrüne Augen und weiche Züge, dazu volle Lippen und ein markantes Kinn. „Hallo Eve“, sagte der Junge mit den Vampirzähnen und küsste sie auf die Wange. Sie kicherte und sagte: „Hey Bill, das fühlt sich komisch an von einem Vampir geküsst zu werden“ „Ach, weißt du…“, grinste er, „ein totes Mädchen ist auch nicht besser“ Sie lachte und tat so, als wolle sie ihn ohrfeigen, woraufhin er ihre Hand festhielt und sie gegen die Wand drückte. „Hey mein Fräulein, passen Sie lieber auf, dass ich Sie nicht beiße“ Eve kicherte leise und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihren Freund auf den Mund zu küssen. Als ihre Lippen aufeinander trafen, öffnete er leicht den Mund und berührte vorsichtig ihre Zunge mit seiner. Dabei legte er die eine hand um ihren Nacken und die andere um ihre Hüfte, um sie näher an sich zu ziehen. Der Kuss schien ewig anzudauern und Eve schwebte auf Wolke Sieben. Doch dann war er doch zu Ende und sie lösten sich voneinander. Bill sah sie verliebt an und lächelte, den Bruchteil einer Sekunde später räusperte er sich jedoch und meinte: „Wir sollten so langsam mal reingehen“

***

„… und das hier ist Mimi, eine gute Freundin von Tom und mir!“ „Hi“ „Hey!“ Auch Mimi schien das Selbstvertrauen nicht gepachtet zu haben, denn sie errötete leicht und lächelte scheu. Anscheinend waren Eves Freund und sein Bruder die Auffangsstelle für unsichere Mädchen. Ob Mimi und Bill…? Eve verdrängte den Gedanken noch ehe sie ihn zu Ende führen konnte. Was wäre auch schon dabei? Sie wusste schließlich, dass sie nicht Bills erste Freundin war.
Aber er… er war ihr erster Freund. Sie war zwar davor schon mit ein oder zwei anderen Jungs zusammen gewesen, doch es war nie mehr gewesen als Händchenhalten. Bill wusste das, und dafür, dass er es berücksichtigte und immer total lieb war, war sie ihm sehr dankbar. Denn wenn sie eines gelernt hatte in ihrem Leben, dann war es das: Es war nicht selbstverständlich, dass ein Mann Rücksicht nahm. Das hatte sie selbst schmerzhaft erfahren müssen.


Kapitel 6 – Beste Freundinnen

8 MONATE SPÄTER

Es schien seltsam, schon fast unglaublich, doch es stimmte. Eve und Mimi waren trotz ihrer Schüchternheit in den letzten Monaten zu besten Freundinnen geworden und Eve verschwendete keinen Gedanken mehr daran, was einmal mit Bill gewesen sein könnte und was nicht. Sie hätte Mimi einfach danach fragen können, doch sie tat es nicht. Sie wollte es nicht wissen, denn sie wollte nicht, dass irgendetwas ihr Glück betrübte. Sie war nun schon fast ein ganzes Jahr mit Bill zusammen und es war das glücklichste Jahr ihres bisherigen Lebens gewesen. Sie hatte einen wunderbaren Freund und eine beste Freundin gefunden, was wollte sie mehr? Und auch wenn sie und Mimi beide sehr unsicher und zurückhaltend waren, zusammen waren sie ein unschlagbares Team. Und mit Bill… irgendwie war alles etwas zur Routine geworden, doch das störte sie nicht im Geringsten. Und wenn er das anders sah, ließ er es sich zumindest nicht anmerken.

Rrring.
Das Telefon riss Eve aus ihren Gedanken.
Sie stand auf, ging zu ihrer Kommode, auf der das Telefon lag, und nahm ab.
„Hey!!“ kam es vom anderen Ende.
„Mimi? Hi!“
„Na Süße, wie war dein Urlaub?“
Gerade waren die Pfingstferien vorbei und Eve war mit ihrer Mutter in Spanien gewesen.
„Es war einfach super! Ich habe das Gefühl, dass es meiner Mutter echt wieder gut geht“
Nach allem was sie durchgemacht hat, dachte Eve.
„Freut mich“, sagte Mimi knapp.
Was war denn auf einmal los? Sie schien auf einmal so seltsam.
„Mhm…“
„Ähm… hast du heute Abend Zeit?“
„Naja, ich wollte mich eigentlich mit Bill treffen“
Stille.
„Ach so. Ja gut, dann mach das“, antworte Mimi es etwas zögerlich.
Irgendetwas am Tonfall ihrer Freundin beunruhigte Eve.
„Mimi, was ist los?“, wollte sie wissen.
„Nichts“, war die etwas zu hastige Antwort
„Mach mir nichts vor, ich merke doch dass etwas nicht stimmt!“
Eve sah förmlich vor sich, wie Mimi sich jetzt auf die Unterlippe biss und überlegte, was sie sagen sollte.
„Nun sag schon“, drängte sie.
„Das ist… nicht so einfach, verstehst du…?“
So langsam wurde Eve ungeduldig.
„Ich verstehe so langsam gar nichts mehr!“, blaffte sie ins Telefon.
Gleich darauf erschrak sie. Sie war doch sonst nicht so.
Aber dieses seltsame, bohrende Gefühl im Bauch hatte sie sonst auch nicht.
Das Gefühl, dass etwas ganz gewaltig nicht stimmte.
„Können wir uns treffen? Ich will das nicht am Telefon besprechen“, nuschelte Mimi so leise, dass Eve sie kaum noch verstehen konnte.
Jetzt war sie richtig beunruhigt.
„Ich komme zu dir, okay?“
„Bis gleich“
Eve hörte noch das Klicken des Telefons, dann war alles still.
Kapitel 7 – Verzweifelt

Eve zog sich hastig um, bevor sie sich auf den Weg zu Mimi machte. Es war ein warmer Sommertag, doch die sanfte Brise kam ihr vor wie eisiger Wind, der um ihren Körper peitschte. Was konnte nur so Schlimmes passiert sein, dass Mimi sie persönlich sprechen wollte? Und da war noch dieses unerklärliche Gefühl im Bauch, das sie hatte, seit sie vom Urlaub zurückgekehrt war. Hatte es etwas mit Bill zu tun? Mit ihrer Beziehung? Oder handelte es sich am Ende um etwas ganz anderes, eine persönliche Sache von Mimi vielleicht? Ohne es zu merken, beschleunigte das Mädchen seine Schritte. Sie wollte wissen, was da los war. Und zwar sofort. Andererseits wurde dieses ungute Gefühl mit jedem Schritt schlimmer.
Als sie endlich bei Mimi angekommen war, klingelte sie erstmal Sturm. Eine empörte Mutter öffnete ihr die Tür, aber das war ihr im Moment herzlich egal. Sie schob sich einfach an ihr vorbei die Treppe hoch in das Zimmer ihrer besten Freundin, welche auf dem Bett lag und las. Als sie Eve kommen hörte, legte sie ihr Buch zur Seite und richtete sich auf. „Hey“ „Was ist los?“, platze Eve heraus, noch bevor die Tür richtig zu war. „Setz dich“ Mimi deutete auf einen Stuhl gegenüber vom Bett. Eve setzte sich eilig hin und schaute die andere abwartend an. „Bist du dir sicher, dass du es wissen willst?“ „Ja, verdammt!“ So langsam riss Eve der Geduldsfaden. Normalerweise war sie nicht so, aber jetzt war alles anders. Sie hatte Angst. „Süße, ich weiß nicht wie ich es dir sagen soll, aber… Tom…“ „Was ist mit Tom?“ „Er… hat Bill gesehen…“ Irgendetwas an diesem Satz verursachte eine Gänsehaut bei Eve. Nervös knetete sie ihre Hände. „Was… was hat er gemacht?“ Krampfhaft versuchte sie, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. „Tom hat gesehen, wie er… mit Marie…“ Die Farbe wich aus Eves Gesicht, während sie nach und nach begriff, um was es hier wirklich ging. Ihr Freund, ihr perfekter Freund, hatte sie betrogen. Betrogen! Einfach so. Kraftlos ließ sich das Mädchen in den Stuhl sinken, sie konnte nicht mehr denken, war wie betäubt. Ihre Freundin lief zu ihr und nahm sie in den Arm, doch auch das registrierte sie nicht mehr. Sie wollte nur noch schreien, alle Wut und Verzweiflung loswerden. Und dann wollte sie schlafen. Und nie wieder aufwachen. Sie konnte und wollte es nicht glauben. Warum hatte er das nur getan? Wie konnte er ihr das antun? Dass sie weinte, bemerkte sie schon lange nicht mehr.
„Hat er mit ihr geschlafen?“, wisperte sie mit tränenerstickter Stimme. Ein bedauerndes Nicken ihrer besten Freundin reichte aus, um sie noch verzweifelter zu machen. Was hatte sie nur falsch gemacht? Er hatte doch gesagt, er würde auf sie warten. Hatte er keine Lust mehr gehabt? War ihm die Beziehung nicht mehr genug gewesen? Warum hatte er nicht mit ihr darüber geredet? Sie wusste nichts mehr und sie wollte es auch nicht wissen. Sie war taub, blind und stumm. Nur nebenbei bemerkte sie, wie der Schlaf sie übermannte. Schlaf für immer, Puppe.


Kapitel 9 – Roter Frieden

2 WOCHEN SPÄTER

Auch wenn Eve es gehofft hatte – innerhalb der letzten Wochen hatte sich rein gar nichts geändert. Immer wieder Tränen, immer wieder Schmerz und immer wieder die Rasierklinge. Sie wusste, dass es krank war. Dass es gefährlich war. Aber vielleicht war genau das der Reiz. Oder es war ihr ganz einfach egal. Ihr Leben war so oder so ruiniert. Selbstverständlich hatte sie ihn zur Rede gestellt, und sie hatte schon vorher gewusst, dass er alles abstreiten würde. Aber es war ihr egal. Warum sollte sie ihm glauben, ihm vertrauen? Ihm war es schließlich auch egal, wie sie sich fühlte. Sie hatte ihm vertraut, doch jetzt war es zu spät. Sie sah keinen Sinn darin, dass er sie betrogen hatte, aber warum sollte Mimi lügen? Oder Tom?
Es war richtig, Schluss zu machen, da war sich Eve sicher. Aber es tat so weh. Jede einzelne Sekunde. Doch das Schlimmste war, dass sie ihm überhaupt vertraut hatte. Dass sie ihn geliebt hatte. Dass sie ihn noch immer liebte. Es war so schrecklich, jeden Morgen aufzuwachen und festzustellen, dass er nicht da war. Seit diesem Gespräch vor 2 Wochen hatten sie nicht mehr miteinander geredet. Bill hatte versucht, sie anzurufen, hatte unzählige SMS geschrieben. Doch Eve hatte nicht die Kraft dazu, zu diskutieren. Nicht mit ihm. Aber immerhin hatte sie ihre beste Freundin, die versuchte, sie zu trösten. Genau wie an diesem Tag.
„Komm schon, Süße“ Mimi legte behutsam ihren Arm um Eves Schulter. „Er ist es nicht wert“ „Doch“, schluchzte Eve und griff nach einem Taschentuch. „Nein, glaub mir. Er hat dich betrogen…“ „Ich liebe ihn“, entgegnete Eve mit tränenerstickter Stimme. „Ich weiß… und ich verstehe dich… aber trotzdem – du musst ihn vergessen.“


Kapitel 10 – Monolog

*Bill*

Ich laufe durch die Straßen, ich weiß nicht wohin. Ich weiß nur, dass du weg bist. Ich habe dich verloren. Aber warum? Ich verstehe dich nicht. Wieso glaubst du mir nicht? Ich dachte du vertraust mir. Ich hätte dich niemals betrügen können, weißt du das denn nicht? Wer hat dir gesagt, dass ich fremdgegangen bin? Wenigstens das hättest du mir sagen können. Vielleicht hätte ich dann den Grund herausfinden können. Wer will mir so wehtun? Uns beiden? Ich bin dir egal, hast du gesagt. Du ahnst nicht, wie sehr das wehtut.
Wie geht es dir jetzt? Hast du mich schon vergessen? Tröstet dich ein anderer? Daran darf ich gar nicht erst denken. Ich dachte, du bist meine große Liebe. Warum weißt du nicht, dass ich dich liebe? Warum glaubst du den anderen, wenn du mir nicht glaubst? Verdammt, ich habe dir mein Wort gegeben. Ich habe gesagt, dass ich so lange auf dich warte, wie du willst. Und ich habe es so gemeint. Wieso glaubst du das nicht? Ich hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommen würde. Wir beide, getrennt. Unglücklich.
Bist du das überhaupt? Ich möchte nicht, dass du unglücklich bist, denn das macht auch mich fertig. Aber noch schlimmer wäre es, zu wissen, dass du ohne mich glücklich bist. Mit einem anderen. Nachdem du mich verlassen hast. Grundlos. Egoistisch, ich weiß.
Aber ich kann es einfach nicht verstehen. Ohne dich ist alles sinnlos, mein Leben ist so nicht mehr lebenswert. Alles, was ich tue, hat keinen Grund mehr. Ich vermisse dich so sehr. Weil ich dich liebe. Und ich kann nicht aufhören, dich zu lieben. Nicht solange ich nicht weiß, warum.



Kapitel 11 – Die Wahrheit

Sie hob gerade die Hand, um an Mimis Zimmertür zu klopfen, als sie von drinnen eine männliche Stimme hörte. Eine bekannte männliche Stimme. Tom? Was machte er denn bei Mimi? Okay, die beiden waren befreundet, aber Mimi hatte gegenüber Eve gar nicht erwähnt, dass Tom an diesem Tag auch kommen würde. Aber das war ja egal, sie kam nach wie vor gut mit Tom klar, schließlich war nicht er es, der sie betrogen hatte. Sie wollte gerade das Zimmer betreten, als sie auf einmal Mimi schreien hörte: „Sag mal bist du noch ganz dicht? Das kannst du doch nicht machen!“ Impulsiv trat Eve einen Schritt zurück und drückte sich in die Ecke neben die Tür, so dass die beiden sie auf keinen Fall sehen konnten. „Nur weil du auf sie stehst? Sie denkt dass Bill sie betrogen hat! Und das alles nur wegen deiner krankhaften Eifersucht?“ Eve erschrak, meinte Mimi etwa sie? Hatte Bill sie gar nicht betrogen? Hatte sie ihn zu Unrecht beschuldigt? War Tom an allem schuld? War er es, der ihre Beziehung zerstört hatte? Nicht nur die Beziehung war zugrunde gegangen, sondern auch Eves Leben. Und Bills vermutlich auch. Und Tom hatte all das geplant? Das konnte sie nicht glauben. Das konnte er ihr doch nicht antun. Sie war so geschockt, dass sie es zuerst gar nicht bemerkte, dass Tom das Zimmer verlies. Als sie ihn jedoch erblickte, wollte sie ihn anschreien, ihm dieselben Schmerzen zufügen wie er ihr, doch es kam kein Wort aus ihrem Mund, ihre Kehle war wie ausgetrocknet und sie konnte sich nicht bewegen.
„Eve!“ Er sah ertappt aus, voller Angst. „Du feiger Mistkerl!“, presste Eve mühsam zwischen den Zähnen hervor. Tom blickte zu Boden. „Es tut mir Leid, Eve“ „Schau mir wenigstens in die Augen du verdammtes Arschloch!“ Ihr Atem ging heftig, jeglicher Gedanke an Beherrschung war längst vergessen. „Du hast mein Leben ruiniert, und das von Bill noch dazu! Wie konntest du nur?“ Ihre Stimme begann zu zittern, Tränen liefen ihre Wangen hinab. „Du hast alles kaputtgemacht! Bill wird mich nie wieder lieben können, nicht nach dem, was ich ihm angetan habe! Ich habe ihm nicht mehr vertraut, und daran bist allein du schuld, Tom! Ich hasse dich!“ Die letzten drei Worte spie sie förmlich aus, sie hatte noch nie ein derart starkes Gefühl des Hasses empfunden als jetzt. „Tut mir leid Mimi“, sagte sie an ihre Freundin gewandt, „aber ich muss jetzt erstmal weg. Raus. Ich ruf dich an“ Und damit stürmte sie die Treppe hinunter und ins Freie.


Kapitel 12 – Aussprache

Warum musste alles so kompliziert sein? Sie lief schneller, ihr Atem war in der kalten Novemberluft deutlich sichtbar. Wie konnte er ihnen das nur antun? Würde je wieder alles werden wie früher? Eve liebte Bill, mehr als alles andere. Aber wie sah das andersrum aus? Liebte er sie noch? Sie merkte, wie ihr Kopf allmählich wieder klarer zu werden schien und ehe sie sich versah, stand sie auch schon vor Bills Haus. Okay, dann eben gleich. Früher oder später musste sie so oder so mit ihm reden. Sie klingelte an der Tür und wartete. Einige Sekunden verstrichen, dann wurde sie geöffnet. Ein Paar brauner Augen schauten sie überrascht an. Bill. „Was machst denn du hier?“ „Selber hallo“ Sie schob sich an ihm vorbei ins Wohnzimmer, auf einmal war sie sich ihrer Sache ziemlich sicher. Wie immer, wenn sie bei ihm war. Dann fühlte sie sich so stark. Sie setzte sich auf die Couch und bedeutete ihm, sich neben sie zu setzen. Er tat wie ihm geheißen und sah sie abwartend an.
„Ich muss mit dir reden“ „Über was? Sag bloß, du willst mir endlich erklären, was mich dazu veranlasst, zu glauben, ich hätte dich betrogen?“ „Bill, es tut mir Leid… ich weiß jetzt, dass du nicht fremdgegangen bist“ „Warum sollte ich auch?“ Er blickte sie fragend an „Weil… ach ich weiß nicht… es schien so offensichtlich, ich meine… du schläfst mit ihr, weil…“ „... du es noch nicht willst?“ Eve konnte nur nicken, sie fing an, sich dafür zu schämen, dass sie ihm so etwas zugetraut hatte. Ihm, der doch immer so lieb gewesen war. Aber er war doch auch nur ein Mann.
„Eve… das ist doch Schwachsinn… sowas würde ich dir doch nie antun… ich dachte, du weißt das“ Nun war die Enttäuschung in seiner Stimme nicht mehr zu überhören. Eve kam sich so dumm vor, so klein. Was war nur passiert? Sie hörte Bill leise neben ihr seufzen, dann zog er sie einfach an sich und ließ es zu, dass sie sich behutsam an ihn schmiegte. Es tat so gut, wieder in seinen Armen zu liegen, aber gleichzeitig hatte sie Angst. Was, wenn es nicht wieder so werden würde wie früher?
„Bill?“ „Hm?“ „Liebst du mich noch“ „Ja“ „Heißt das, wir haben noch eine Chance“ Er seufzte, sah ihr in die Augen. „Ich hoffe es“ „Ich auch“, sagte sie leise. Er senkte vorsichtig seine Lippen auf ihre und schloss die Augen. Für einen Moment vergaßen beide ihre Sorgen und ließen sich fallen, doch irgendwann würden sie sich ihren Problemen stellen müssen.


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